Das einszweidrei Auto-Quartett

Motorräder mit ABS für (Wieder)Einsteiger - eine Übersicht

Dieser Artikel richtet sich an alle, die nicht viel Fahrpraxis haben, aber ein neues Motorrad kaufen wollen. Wer also gerade den Führerschein gemacht hat oder nach ein paar moppedlosen Jahren wieder Motorrad fahren möchte, dem könnte diese kurze Charakterisierung der typischen, populären Einsteigermaschinen helfen. Da man heutzutage, wenn man über 25 Jahre alt ist, auch sofort einen "unbegrenzten" Schein machen kann, werden hier die ungedrosselten Versionen vorgestellt. Es gibt ohnehin eine große Dunkelziffer von Anfängern, die sich ihre Maschine mit 34 PS eintragen lassen und sie trotzdem offen fahren. Gleichzeitig gibt es auch unter erfahrenen Bikern vernunftsortientierte Menschen, die eine problemlos funktionierende und leicht zu fahrende Maschine bevorzugen.

Eine Einschränkung gibt es allerdings. In diesem Überblick finden sich nur Maschinen mit ABS. Erfahrene Biker mögen ohne diese Bremshilfe auskommen... aber "erfahren" ist man nur dann, wenn man sich beim Bremsen schon ein paarmal wegen blockierender Räder auf die Schnauze gelegt hat. Dann erst kennt man die Grenzen seiner Bremsanlage, vorher nicht. Man kann aber auch mit ABS die Blockiergrenze erfahren, nämlich dann, wenn Hand- oder Fußhebel beim Bremsen anfangen zu pulsieren. Das wäre ohne ABS ein blockierendes Rad gewesen.

Die technischen Angaben sind Werksangaben, die Preise vom Dezember 2005 (meist ohne NK).


BMW F 650 GS
1 Zyl., 652 ccm, 50 bzw. 34 PS, Euro 2, 193 kg, Sitzhöhe 780 mm, 7.612 Euro.

ABS gibt es optional. Der Einzylindermotor stammt von Rotax und zieht gleichmäßig bis zur Drehzahlgrenze durch. Das Fahrwerk ist handlich und problemlos. Auch für große Fahrer geeignet. Soziusplatz gut. Es gibt die GS auch als "Dakar" mit größerem Vorderrad (21 statt 19 Zoll) und längerem Federweg. Wegen des größeren Vorderrads erhöhte Auffstellneigung der GS Dakar beim Bremsen in Kurven.


BMW R 850 R
B 2 Zyl., 848 ccm, 70 bzw. 34 PS, Euro 2, 238 kg, Sitzhöhe 800 mm, 10.362 Euro.

ABS gibt es optional. Die R 850 R ist baugleich mit der R 1150 R, nur der Hubraum wurde reduziert. Beliebtes Behördenmotorrad. Fahrwerk unproblematisch, aber leicht entkoppelt wirkendes Lenkgefühl. Platzangebot für Fahrer und Sozius ausgezeichnet.
Quasi wartungsfreier und sauberer Kardanantrieb.


BMW 1150 R
B2 Zyl., 1130 ccm, 85 PS, Euro 2, 238 kg, Sitzhöhe 800 mm, 10.862 Euro.

ABS gibt es optional. Sehr durchzugsstark. Fahrwerk unproblematisch, aber leicht entkoppelt wirkendes Lenkgefühl. Platzangebot für Fahrer und Sozius ausgezeichnet.
Quasi wartungsfreier und sauberer Kardanantrieb.


Honda CBF 500
R 2 Zyl., 499 ccm, 57 bzw. 34 PS, Euro 2, 206 kg, Sitzhöhe 770 mm, 5.390 Euro.

ABS und Hauptständer kosten 600 Euro extra. Ideale Einsteigermaschine. Aufrechte Sitzposition gleichermaßen für kleine (1,60 m) wie große (1,85 m) Menschen passend. Guter Soziusplatz. Sehr stabiles, gleichzeitig handliches Fahrwerk. Relativ harte Federung. Sehr gute Bremsen mit sensiblem ABS. Geringe Unterhaltskosten, mit ABS guter Wiederverkaufswert. Der Motor wirkt subjektiv genauso kräftig wie bei der CBF 600, obwohl er objektiv etwas schwächer ist. Das liegt an der kürzeren Übersetzung und dem guten Durchzug aus untersten Drehzahlen. Bassiger Twinsound.


Honda CBF 600
R 4 Zyl., 599 ccm, 77 PS, Euro 2, 219 kg, Sitzhöhe 770-800 mm, 6.240 Euro.
 
ABS und Hauptständer kosten 600 Euro extra, eine Halbverkleidung 300 Euro. Aufrechte Sitzposition. Zweifach verstellbarer Lenker, dreifach verstellbare Sitzbank. Daher passend für alle Fahrer von 1,55 m bis 1,90 m. Halbschale zweifach verstellbar, schützt bei großen Fahrern aber nur den Oberkörper, nicht den Kopf. Guter Soziusplatz. Ausgezeichnetes Fahrwerk, sehr unproblematisch und doch straff genug für schnelles Fahren. Gute Bremsen mit sensiblem ABS. Der Motor ist unten herum (bis 3.500/min) durchzugsschwach, aber genau das kommt Anfängern sehr entgegen. Über 8.000/min aggressiv. Wegen der veralteten Vergasertechnik schlechtes Kaltstartverhalten und fummeliger Choke am Vergaser. Relativ lange Übersetzung, deswegen subjektiv im unteren und mittleren Drehzahlbereich nicht stärker als eine CBF 500 (objektiv aber schon).
Wahrscheinlich wird die CBF 600 zum Modelljahr 2008 eine Einspritzung erhalten, um die Euro 3 - Norm einhalten zu können.


Honda Deauville NT 700
V 2 Zyl., 680 ccm, 65 PS, Euro 3, 257 kg, Sitzhöhe 806 mm, 8.240 Euro.

ABS ist Serie. Der konsequenteste Tourer aller Motorräder. Vollverkleidung schützt vor Wind fast wie in einem Cabrio. Serienmäßiger, integrierter Koffersatz. Viel Platz für Fahrer und Sozius, langstreckentauglich, umfangreiche Ausstattung. Für kleine Menschen allerdings nicht geeignet. Die Sitzhöhe und das hohe Leergewicht passen eigentlich nur Menschen ab 1,75 m Körpergröße. Der Motor ist bis 3.500/min etwas lustlos und vibriert ab 6.000/min deutlich. Problemloses Fahrverhalten, angesichts des hohen Leergewichts gute Handlichkeit.
Quasi wartungsfreier und sauberer Kardanantrieb.


Honda CBF 1000
R 4 Zyl., 998 ccm, 98 PS, Euro 3, 242 kg, Sitzhöhe 780-810 mm, 7.990 Euro.

ABS, CBS und Hauptständer (Deluxe-Version) kosten 700 Euro extra. Vom Konzept her eine CBF 600 mit stärkerem Motor, deswegen gilt das für die CBF 600 Gesagte. Dennoch ist die CBF 1000 ganz klar keine (Wieder)Einsteigermaschine. Der Motor zieht zwar gleichmäßig wie am Gummiband, doch sein Drehmoment ist sehr hoch. Anfänger können, wenn sie sich verschalten oder in einem Schreckmoment die Kupplung springen lassen, vom Bock fliegen. Der Sound der CBF 1000 ist zudem etwas langweilig. Ein Nachrüsttopf sollte im Kaufpreis mit einkalkuliert werden.


Kawasaki ER-6n/ER-6f
R 2 Zyl., 649 ccm, 72 bzw. 34 PS, Euro 3, 196 kg, Sitzhöhe 785 mm, 6.365 Euro.

ABS kostet 600 Euro extra, Vollverkleidung 400 Euro. Im Grunde der legitime Nachfolger der legendären GPZ 500 S. Leicht, stark, handlich, kompakt. Aufrechte, vorderradorientierte Sitzposition und guter Soziusplatz. Doch die ER-6 passt nur Menschen bis 1,80 m Körpergröße. Fahrer ab 1,80 m müssen wegen der hoch angebrachten Fußrasten die Knie zu stark anwinkeln. Kawasaki bietet deswegen auf Wunsch eine höhere Sitzbank an. Motor mit gutem Klang, sehr durchzugsstark und dabei drehfreudig. Ausgezeichnetes Fahrwerk mit guten Bremsen.


Suzuki Bandit 650
R 4 Zyl., 656 ccm, 78 bzw. 34 PS, Euro 2, 229 kg, Sitzhöhe 770-790 mm, 6.490 Euro.

ABS ist Serie, Halbverkleidung kostet 300 Euro extra. Die Bandit passt Fahrern von 1,60 m bis 1,90 m wie angegossen, man sitzt aufrecht und der Soziusplatz ist auch für Langstrecken geeignet. Das Fahrwerk ist etwas weicher als bei der CBF 600 ausgelegt, deswegen ist die Bandit beim sehr schnellen Heizen zwar unproblematisch, aber nicht so stabil wie die CBF. Man muss aber schon heizen wie ein Profi, um das zu merken. Guter Durchzug auch aus niedrigen Drehzahlen. Wegen seiner einfachen Bauweise (luft/ölgekühlt und von Vergasern gespeist) ist der Motor günstig zu warten und zu reparieren.


Yamaha FZ6 Fazer
R 4 Zyl., 600 ccm, 98 bzw. 34 PS, Euro 2, 207 kg, Sitzhöhe 795 mm, 7.995 Euro.

ABS und Halbschale sind Serie. Die unverkleidete FZ6 hat kein ABS. Nicht umsonst ist die Fazer eine der meistverkauften Maschinen in Deutschland. Sie ist leicht und sehr handlich. Gleichzeitig bietet sie eine unerschütterliche Stabilität in Kurven und bremst auch ausgezeichnet. Der Fahrer sitzt aufrecht und mit angenehmen Kniewinkel, ist aber in die Maschine integriert. Der Sozius sitzt bequem, nur wird dessen Hintern durch die unterhalb der Sitzbank verlaufenden Auspuffanlage etwas aufgeheizt. Die FZ6 zieht von unten brav durch (aber trotzdem fast so stark wie eine Bandit 650) und holt ab ca. 9.000/min die Keule raus. In der Praxis ergibt dadurch ein kleines Problem. Sportliches Hochdrehen bedeutet, dass man fast immer in der Führerschein-Verlustzone operiert. Die Höchstleistung überfordert Anfänger klar, aber die Gesamteigenschaften der Maschine sind ausgezeichnet. Klasse Bremsen, gute Verarbeitung.


Yamaha TDM 900 A
R 2 Zyl., 897 ccm, 86 PS, Euro 2, 223 kg, Sitzhöhe 825 mm, 9.495 Euro.

ABS ist Serie. Im Grunde ist dies keine Anfängermaschine, aber sie ist eine Überlegung wert, wenn man ein problemloses, leichtes Tourenmotorrad sucht. Die Platzverhältnisse für Fahrer und Sozius sind langstreckentauglich, allerdings sollte man schon mindestens 1,80 m groß sein, um die TDM sicher zu lenken. Das Fahrverhalten ist handlich und unproblematisch, der Federungskomfort dabei gut. Der Twin zieht gleichmäßig durch und hält sich akustisch zurück. Ein Kofferset ist serienmäßig dabei. Erfahrene Biker, die auf Angebereien und blau-weiße Propeller am Tank verzichten können, finden hier vielleicht ihr Bike fürs (Touren)Leben.


einszweidrei.de - Nico Röhr - 15.03.2006 - Alle Angaben ohne Gewähr