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Warum hatten in den späten 60ern und frühren 70ern
viele sportliche Autos auf einmal mattschwarze Motorhauben? War das nur eine
modische Verirrung? Warum konnte man auch so biedere Autos wie einen Opel Rekord
in knalligem Apfelgrün bekommen? Warum wurde der Golf I damals in stechendem
Zitronengelb vorgestellt? Was war der Sinn von schwarzen Vinyldächern?
Die Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts gelten als schrill und ungewöhnlich. Auch die damaligen Autos besaßen Merkmale, über die ein heutiger Mensch nur lächelnd den Kopf schütteln kann. Dabei waren manche aus heutiger Sicht seltsam erscheinenden Ausstattungsdetails damals durchaus sinnvoll.
Mattschwarze Motorhauben In den 50ern und 60ern erfreute sich der Rallyesport wachsender Beliebtheit. Die damals verwandten Autos waren aber keine hochgezüchteten Rennwagen, sondern meistens ganz normale Alltagsautos, denen man aus Gewichtsgründen die Stoßstangen abmontiert hatte. Bis auf die Reifen blieb der Rest Serie. Bei den meisten Autos war der Motor längs vorne eingebaut und die Kühler an der Front relativ riesig. Daher hatten alle Autos mit Frontmotor recht lange, waagerecht verlaufende Hauben. Wenn nun die Sonne leicht schräg auf die Haube schien, spiegelte sie sich im Lack der Haube und blendete den Fahrer von schräg unten. Dagegen half auch keine Sonnenblende. Wegen dieses Blendeffekts sieht man auf alten Fotos aus jener Zeit im Sommer fast nur Autofahrer mit Piloten-Sonnenbrillen hinter dem Steuer. Vorrangig hatten viele Menschen eine Sonnenbrille auf, weil ihre Motorhauben die Sonne in ihre Augen reflektierten. Rallyefahrer konnten es sich nicht leisten, stark getönte Sonnenbrillen zu tragen, weil sie dann zuwenig von der Straßenoberfläche sahen. Deswegen lackierte man die (auch bei den Rallyefahrzeugen) waagerecht verlaufenden Motorhauben mattschwarz, dann konnte sich die Sonne nicht darin so stark spiegeln. Die Fahrer sportlicher Serienautos übernahmen diesen Trick schnell und bald gab es auch Serienautos, die von vorneherein mit mattschwarzen Hauben ausgestattet wurden. Unter ihnen waren der Opel Manta GT/E(J), der Ford Capri RS 2600, diverse Fiat Abarth Modelle usw. Auch den Opel Commodore A gab es mit mattschwarzer Haube. In den USA wurde u.a. der Dodge Charger R/T von 1971 mit einer mattschwarz lackierten Haube ausgeliefert. Selbst den Mittelmotorsportler DeTomaso Pantera gab es anfangs mit Rallye-Fronthaube. Der normale Deutsche Michel konnte sich mit diesem Trend aber nicht anfreunden. Er trug lieber eine stark getönte Sonnenbrille als seine Haube mit einer Trauerfarbe zu verunstalten. Mercedes bot erst gar keine solchen Hauben an, weil man sich damals nicht als Hersteller sportlicher Massenware verstand. Da aber deswegen nur (pseudo)sportliche Modelle eine mattschwarze Haube zur Schau trugen, galt dieses Merkmal bald als prollig und aggressiv. Im Laufe der Jahre trauten sich immer weniger Autofahrer, ihre Hauben abzudunkeln. Mit Beginn der 80er und dem legendären Stromliniendesign von Audi 100 (1982) und Ford Sierra (1983) waren wegen der stark abfallenden Fronthauben solche Lackierungen auch nicht mehr notwendig. Spätestens ab der zweiten Hälfte der 80er waren die mattschwarz lackierten Fronthauben out und verschwanden allmählich aus dem alltäglichen Straßenbild. Bis heute hat sich der Negativruf der schwarzen Rallyehaube gehalten.
Signalfarben 1970 erreichte die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland einen traurigen Rekord. 21.332 Menschen ließen bei Unfällen im Straßenverkehr ihr Leben. Es setzte angesichts dieser horrenden Zahl eine ganze Flut von verkehrssichernden Maßnahmen ein. Eine davon war die Erkenntnis, dass man auf das, was man frühzeitig sieht, auch frühzeitig reagieren kann. Deswegen entwickelten die Autohersteller die sogenannten Signalfarben für ihre populären Modelle. Die Idee war einfach und gut. Ein kunterbuntes Auto ist zwischen grauen Häuserfronten und auf anthrazitfarbenem Asphalt besser zu erkennen. --- Wenn Du, lieber Leser, darüber nur lächeln kannst, weil Du doch so aufmerksam und reaktionsschnell bist, dann möchte ich Dich etwas fragen: Hast Du ein Kind? Was erkennt Dein Kind wohl eher, wenn es an einem grauen Herbsttag auf dem Weg zur Schule unachtsam auf die Fahrbahn tritt - ein grasgrünes oder ein schwarzes Auto? Eine Sekunde kann manchmal über Leben oder Tod entscheiden. Denk nächstes Mal darüber nach, wenn Du Dir ein Auto zulegst; oder wenn Du Dich über Tagfahrlicht in Innenstädten aufregst.
Vinyldächer und Targa-Tops In den 70ern brandmarkte der Konsumentenschützer Ralph Nader (europäische) Cabrios als brandgefährlich. Da Cabrios und Roadster seinerzeit über keine versteiften Scheibenrahmen, geschweige denn einen Überrollbügel verfügten, wurden die Passagiere im Fall eines Überschlags platt wie die Flundern gepresst. Zwar enden nur 2% aller Unfälle mit einem Kippen des Fahrzeugs und nur eine geringe Zahl der Unfallwagen landet auf dem Dach - doch in der allgemeinen Sicherheitsdiskussion der 70er Jahre war es ein Killerargument, dass man in einem solchen, wenn auch seltenen, Fall äußerst geringe Überlebenschancen hatte. Innerhalb kürzester Zeit waren Cabrios in den USA quasi unverkäuflich. Nur diejenigen Hersteller, die schon Cabrios im Angebot hatten, produzierten sie weiter. Neue Cabrios wurden nicht mehr entwickelt. Ein Teil der Autofahrer wollte aber auf das Offenfahren nicht verzichten. Porsche hatte diesen Trend schon vorausgeahnt und 1966 den 911 Targa vorgestellt. Der massive Überrollbügel stabilisierte das Auto ohne Blechdach und bot genügend Schutz bei einem Überschlag. Die Amerikaner übernahmen diesen Gedanken schnell und boten bald selbst Targas und T-Roofs für ihre Sportwagen an. Die Vinyldächer waren für diejenigen Autofahrer interessant, die eigentlich nur Cabrio fuhren, weil es schick aussah (heute ist das natürlich ganz anders, nicht wahr, liebe Blechklappdach-Fraktion?). Als kein Hersteller in den USA mehr Cabrios anbot, behalf man sich eben mit Dächern, die aussahen wie Cabrioverdecke. Der Trend schwappte zu uns nach Europa herrüber, und man versah auch biedere Limousinen und Coupés mit einem solchen Fake-Cabrio-Dach. Abschließend möchte ich noch erwähnen, was meine Mutter in den 70ern für ein Auto fuhr: Ein Opel Rekord C-Coupé in silbermetallic mit mattschwarzem Vinyldach mit integriertem Schiebedach, mattschwarzem Rallyestreifen auf der Fronthaube, polierten Chromfelgen, weinroter Kunstleder-Stoff-Ausstattung und vier kreisrunden, kinderkopfgroßen Zusatzscheinwerfern im chromüberladenen Frontgrill. Das war auch damals schon recht ungewöhnlich, aber durchaus noch tragbar. Leider hat sie das Auto 1980 mit Getriebeschaden und durchgerosteter Hinterachse verschenkt - zusammen mit den Fellwürfeln am Innenspiegel. einszweidrei.de - Nico Röhr, Januar 2006. Alle Angaben ohne Gewähr |