Das einszweidrei Auto-Quartett

Der Caliber - Dodge's Einstand in Europa

Die uramerikanische Marke Dodge wird am 10. Juni mit dem "Caliber" offiziell in den europäischen Markt eintreten.

Wer sich ein bisschen mit Autos auskennt, wird beim Markennamen Dodge vor allem an zwei Modelle denken: Charger und Viper.
Der Dodge Charger gelangte vor allem wegen seiner Hauptrolle als General Lee in der Fernsehserie "The Dukes of Hazzard" (Ein Duke kommt selten allein) zu weltweiter Berühmtheit. Der Viper gilt als der legimite Nachfolger der AC/Shelby Cobra. Beide Autos sind Muscle Cars wie aus dem Bilderbuch. Der Super-Pickup Dodge Ram dürfte wohl auch noch manchem Deutschen geläufig sein. Allen "typischen" Dodge ist gemein, dass sie immer ein bisschen böse, schmutzig und unglaublich selbstbewusst wirken. Dodge Charger und Challenger könnten auch in einem grauen Hinterhof vor ein paar Mülltonen stehen und immer noch geil aussehen.







Nun könnte man erwarten, dass die Traditionsmarke aus Hamtrack bei Detroit nun mit einem solch typischen Machoauto offiziell in den Markt eintritt. Aber dem ist nicht so. Dodge's Erfolgsrezept hört auf den stimmigen Namen Caliber. Die gute Nachricht: Der Caliber ist kein armseliger Kleinwagen. Die schlechte Nachricht: Er ist auch keine Sensation.


Der Caliber sieht aus, als würde die Marketingabteilung alle Stilelemente eines "In"-Autos bunt zusammengemixt haben. Ein bisschen Kombi, einen Schuss Van, etwas SUV, dazu stämmig-sportliche Akzente wie große Räder, niedriges Dach und dicke Backen. Das wirkt auch alles sehr gefällig und wertig, aber der emotionale Schlag in die Magengrube, die der Anblick eines 69er Chargers R/T bewirkt, bleibt leider aus. Mit dem neuen Caliber kann man unbesorgt einen Sonntagsausflug mit den Schwiegereltern unternehmen oder zu einem Vorstellungsgespräch bei der Sparkasse vorfahren. Er wirkt pfiffig, praktisch, dezent-bullig... er wirkt, als soll er von jedem gemocht werden.

Die wahre Enttäuschung lauert aber unter der Motorhaube. Die Benzinmotoren stammen von einer Kooperation mit Hyundai und Mitsubishi, der Diesel ist ein Vierzylinder-VW-TDI. Jetzt mal im Ernst: Wer kauft sich einen Ami, um dann einen astmatischen Fernost-Benziner unter der Haube zu haben? Dodge geht anscheinend davon aus, dass sowieso jeder den TDI kaufen wird.




Das Ganze erinnert an den hilflosen Versuch von Lotus anno 1991, den legendären Elan wiederzubeleben. Der Elan II hatte eine glattflächige und völlig ecken- und kantenfreie Karosserie, die sehr japanische Züge trug. Der Turbo-Vierzylinder mit 1.6 Litern Hubraum stammte von Isuzu. Das Auto hatte zudem auch noch Frontantrieb. Schalter und Instrumente im Hartplastik-Innenraum stammten von Opel.
Der Elan II floppte so heftig, dass Lotus fast daran Pleite ging. Währenddessen baute Mazda mit dem MX-5 den wahren Lotus Elan-Nachfolger und damit einen der erfolgreichsten Roadster der Automobilgeschichte... Mazda hatte erkannt, dass man besser die klassischen Erfolgsrezepte beibehielt und nicht um jeden Preis modern wirken sollte. Unter einem Lotus Elan stellten sich die Menschen eben einen typisch britischen Roadster mit langer Motorhaube und Heckantrieb vor und keinen Fronttriebler mit Korea-Motor.



Schade, aber mit dem Caliber rutscht Dodge in Europa sogleich in die trend-hinterherlaufende Beliebigkeit ab. Von dieser Marke hätte ich mehr Mut erwartet. Aber vielleicht wird das vom Mutterkonzern Daimler-Chrysler nicht gewünscht.

Nachtrag von Mai 2006: Meine Eltern meinen, dass der Caliber ein sehr schönes Auto sei und dass ich keine Ahnung von gutem Design hätte. Mein Vater plant sogar, sich einen Caliber zu kaufen... Soweit zur harten Realität auf Deutschlands Straßen...


einszweidrei.de - Nico Röhr - 04.04.2006 - Alle Angaben ohne Gewähr