Unter bestimmten Umständen verbraucht man weniger Energie auf einer Autofahrt als
auf derselben Strecke mit dem Zug.
Zunächst einmal sei erwähnt, dass der Kenner das Gesicht verzieht, wenn jemand sagt, dass er "mit der Bahn fährt". Unter dem Ausdruck "Bahn" versteht man die Gleisanlage. Passagiere bewegen sich mit einem Zug darauf (Zoch auf gut Kölsch...). Soviel dazu. Im Juni 2004 stellten Ingenieure unter der Leitung von Prof. Roger Kemp an der Universität von Lanchaster, England, einen Verbrauchsvergleich zwischen Auto, Zug und Flugzeug an. Anlass war die Vorstellung neuer Pendlerzüge für den Verkehr zwischen London und Edinburgh bzw. Manchester. Das Modell "SuperVoyager" wiegt wegen zahlreicher Verbesserungen in puncto Sicherheit und Komfort entschieden mehr als sein Vorgänger, der "125" - pro Sitz mehr als ein Airbus A380. Nun wurde der Energieaufwand, den ein Passagier in einem voll besetzten Zug auf der Strecke London - Edinburgh benötigt, in den Energiewert von Diesel umgerechnet. Das wurde dann als Vergleichsgrundlage genommen. So stellte sich heraus, dass ein Passagier auf der bezeichneten Strecke bei einer Zugfahrt 11,5 Liter verbraucht. Ein mit vier Personen besetzter, aktueller VW Passat TDI (das genaue Modell ist unbekannt) verbrauchte bei Messfahrten 10 Liter Diesel pro Sitzplatz. Damit war die Autoreise 1,5 Liter sparsamer als die Zugreise - vorausgesetzt, beide Verkehrsmittel sind voll besetzt. Eine Flugzeugreise über die vergleichbare Strecke (Airbus A321) verbraucht sogar 20 Liter pro Person. Am schlechtesten ist die Energiebilanz bei Hochgeschwindigkeitszügen. Hier wurde der Energieverbrauch des französischen TGV herangezogen. Er würde auf der Messstrecke ca. 22 Liter pro Person verballern - doppelt soviel wie das Auto. Nun mag man trefflich über diese Studie streiten. Pendlerautos sind oft nur mit einer Person, also zu 25%, besetzt. Das ist aber sehr oft auch der Fall bei Zügen und Flugzeugen. Wie oft ist man in Zügen unterwegs, die noch nicht mal zu 10% besetzt sind? Das ist in einem Auto nicht möglich. Auf der anderen Seite wurde von Roger Ford vom Modern Railways Magazine in einer Reaktion auf diese Studie herausgestellt, dass auf innerstädtischen Kurzstrecken der Zug wieder Vorteile besitzt - vorausgesetzt, er hat dieselbe Belegungsquote wie das Auto. Auf Ausflügen und längeren Strecken aber hat ein vergleichbar besetztes, modernes Auto einen Verbrauchsvorteil gegenüber modernen Zügen, das musste selbst Roger Ford zugeben. Da die Elektrizität für Züge überwiegend aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird, verschmutzen auch E-Züge über diesen Umweg die Umwelt mit Abgasen. Ein Teil der elektrischen Energie für die Zugfahrt wird auch aus Atomkraft gewonnen - ob das nun umweltfreundlich ist... das muss jeder für sich entscheiden. Ein vollbesetzter Bus ist übrigens eine der energieschonendsten Arten, von A nach B zu kommen. Ein moderner Stadtbus (ohne Mittelgelenk) kann bis zu 80 Personen aufnehmen und verbraucht ca. 30 Liter Diesel auf 100 km. Noch besser ist das Fahrrad, es verbraucht gar keinen Sprit. Oder man bleibt gleich zu Hause auf dem Sofa sitzen... einszweidrei.de - Nico Röhr - 18.04.2006 - Alle Angaben ohne Gewähr |