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BMW F 650 GS ABS - Harley-Davidson Sportster 883 Iron - Honda CBF 600 NA - Kawasaki Ninja 250 R - Suzuki Bandit 1250 NA

34 PS Vergleichstest in Motorrad 02/2011

Motor, Antrieb, Reifen
TYP BMW F 650 GS ABS Harley-Davidson Sportster 883 Iron Honda CBF 600 Naked ABS Kawasaki Ninja 250 R Suzuki Bandit 1250 Naked ABS
Motorart/Kühlung R 2 / Wasser V 2 / Luft R 4 / Wasser R 2 / Wasser R 4 / Wasser
Hubraum 798 ccm 883 ccm 599 ccm 249 ccm 1255 ccm
Gemischaufbereitung Einspritzung / G-Kat / Euro 3 Einspritzung / G-Kat / Euro 3 Einspritzung / G-Kat / Euro 3 Einspritzung / G-Kat / Euro 3 Einspritzung / G-Kat / Euro 3
PS Werk - UMin 34 PS (25,0 kW) - 5000/min 34 PS (25,0 kW) - 6000/min 33 PS (24,0 kW) - 8000/min 33 PS (24,0 kW) - 11000/min 34 PS (25,0 kW) - 3700/min
PS Prüfstand - UMin 35 PS (25,7 kW) - 5800/min 33 PS (24,6 kW) - 5900/min 34 PS (25,0 kW) - 8300/min 31 PS (22,9 kW) - 11100/min 35 PS (25,4 kW) - 5100/min
Nm Werk - UMin 57 Nm - 3500/min 62 Nm - 2500/min 40 Nm - 2500/min 22 Nm - 8200/min 92 Nm - 1800/min
Nm Prüfstand - UMin 60 Nm - 2900/min 58 Nm - 2200/min 38 Nm - 2900/min 21 Nm - 8200/min 85 Nm - 1900/min
Gänge/Antrieb 6 / Kette 5 / Zahnriemen 6 / Kette 6 / Kette 6 / Kette
Bereifung vorn 110/80 R 19 100/90 R 19 120/70 ZR 17 110/70 ZR 17 120/70 ZR 17
Bereifung hinten 140/80 R 17 150/80 R 16 160/60 ZR 17 130/70 ZR 17 180/55 ZR 17
Reifenmarke Bridgestone Trial Wing S01 G/BW 502 G Dunlop D401 Bridgestone BT 57 U/E IRC Road Winner Dunlop D 218 T/N
Sitzhöhe 840 mm 740 mm 800 mm 765 mm 790 mm
Serviceintervalle 10.000 km 8.000 km 6.000 km 6.000 km 6.000 km
Messwerte
TYP BMW F 650 GS ABS Harley-Davidson Sportster 883 Iron Honda CBF 600 Naked ABS Kawasaki Ninja 250 R Suzuki Bandit 1250 Naked ABS
Leergewicht vollgetankt 214 kg 261 kg 223 kg 172 kg 253 kg
Zuladung effektiv 222 kg 193 kg 194 kg 167 kg 222 kg
0 - 100 km/h 7,8 s 10,3 s 8,8 s 7,5 s 9,5 s
0 - 140 km/h 23,3 s 38,1 s 13,1 s 17,1 s 29,0 s
60 - 100 km/h, letzter Gang 6,7 s 8,2 s 8,1 s 10,3 s 6,7 s
60 - 140 km/h, letzter Gang 26,4 s 38,9 s 42,0 s 22,8 s 23,5 s
100 - 140 km/h 19,7 s 30,7 s 33,9 s 12,5 s 16,8 s
Höchstgeschwindigkeit (gemessen) 153 km/h 145 km/h 150 km/h 158 km/h 150 km/h
Verbrauch Landstraße 100 km 3,7 L/NB 4,1 L/SB 5,5 L/NB 3,2 L/NB 5,1 L/NB
Tankinhalt/Reserve 16,0/4,0 L 13,0/4,0 L 20,0/4,0 L 17,0/keine L 19,0/keine L
Drosselung Drosselklappenstutzen Querschnittsverengung Blackbox und Ansaugstutzen keine Gaswegbegrenzer
Drosselung Kosten auf Wunsch ab Werk ca. 300 Euro auf Wunsch ab Werk schon ungedrosselt ca. 140 Euro
Leistung offen (Werk) 71 PS 53 PS 78 PS 33 PS 98 PS
Preis Testmotorrad zzgl. NK 8.990 Euro (12/2010) 8.120 Euro (12/2010) 7.340 Euro (12/2010) 4.195 Euro (12/2010) 9.140 Euro (12/2010)
GESAMTWERTUNG (max. 100) 77 50 78 83 69
PLATZIERUNG 3. 5. 2. 1. 4.
TYP BMW F 650 GS ABS Harley-Davidson Sportster 883 Iron Honda CBF 600 Naked ABS Kawasaki Ninja 250 R Suzuki Bandit 1250 Naked ABS


Bemerkungen (Januar 2011):

Es gibt kein perfektes Einsteiger-Bike, das zeigt auch dieser Test eindrücklich. Viele Menschen und Hersteller sind ja immer noch der Meinung, dass das erste Bike die Markenwahl in der Zukunft entscheidend prägt. Dem kann ich nur eingeschränkt zustimmen.

Meistens ist das erste Bike nicht der Typ, den man später vorwiegend fährt. Ich habe z.B. auf einer Honda CB 750 und einer Suzuki GS 500E gelernt. Dann habe ich mir eine Kawasaki GPZ 500 S mit 60 PS gekauft, sie kurz danach zerstört, dann nach Genesung auf Honda CBF 600 NA umgesattelt, danach auf Harley 883R umgestellt, danach auf Harley Night Rod Special 1250, und nun fahre ich eine Vespa GTS 300. Die wird wahrscheinlich auch nicht mein letztes Zweirad bleiben. Was als nächstes kommt? Weiß ich noch nicht. Eine Yamaha R1 vielleicht, oder eine Kawasaki W800? Oder doch wieder eine Harley? Daneben werde ich aber die Vespa behalten, oder doch auf eine alte CB 500 umsteigen? Ein Motorradleben ist lang und bunt (wenn man aufmerksam und der Situation angepasst fährt).

Wie fahren sich denn nun die oben angeführten Typen? Eigentlich kann man alle Modelle Anfängern in die Hand geben. Ich würde Anfängern aber zu ABS raten. Man kann die Grenzen der Vorderreifen-Traktion auch mit ABS erkunden - pulsiert es, dann hat man zu stark gebremst... so kann man ohne Schmerzen und kaputte Blinker die Bremseigenschaften eines Bikes auch lernen.

Die BMW ist ein sehr gutes Bike. BMW sind ja oft mit Vorurteilen behaftet, dennoch fährt man mit der F 650 GS richtig easy und hat selbst mit 34 PS selten das Gefühl, dass man mehr Leistung braucht. Der 798 ccm große Motor, der aus modellpolitischen Gründen "650" heißt, hat viel Drehmoment und liefert seine Leistung völlig berechenbar über den gesamten Drehzahlbereich.

Das Fahrwerk der BMW F 650 GS ist relativ weich, aber fahrsicher abgestimmt. Am Anfang ist das 19 Zoll große Vorderrad gewöhnungsbedürftig. Seine hohen Fliehkräfte machen das Lenken in engen Kurven und bei hohen Geschwindigkeiten etwas schwer. Der Lenker der GS ist etwas breiter, was einen höheren Lenkeinschlag erfordert. Das große Vorderrad bewirkt aber auch einen guten Geradeauslauf.
Besonders auf Staubpisten und unbefestigten (trockenen) Feldwegen fährt sich die F 650 GS sehr spursicher. Ihre Bereifung taugt natürlich nur für leichtes Gelände, nasse Wiesen und matschige Weiden überfordern die Traktion der eher straßentauglichen Reifen.

Die Harley Sportster fährt sich besser als professionelle Tester immer behaupten. Sie ist wahrhaftig kein Sportmotorrad, sie fährt und klingt eher wie ein Oldtimer, aber sie ist im Prinzip nicht unsicher. Mit der Sportster bewegt man sich am besten gelassen über gut ausgebaute Landstraßen. Es gibt eine ganze Reihe von Harleyfahrern, die die Sportster sogar für die echteste Harley halten. Ungedrosselt braucht sie ungefähr 7 Sekunden auf 100 km/h. Das ist vielen Fahrern schnell genug, deswegen fahren nicht nur Anfänger eine 883 Iron.

Zwei Vorteile und viele Nachteile sind charakteristisch für eine Harley 883. Positiv: Sie hat einen pflegeleichten und sauberen Zahnriemenantrieb. Und einen guten Wiederverkaufswert. Negativ: Ihr Seriensattel ist hart und unbequem. Und sie wird schnell geklaut, wenn man sie unter der Laterne parkt. Ihr großer Vorderrad-Durchmesser bewirkt zwar einen guten Geradeauslauf, in Kurven wirkt die 883 dafür manchmal unhandlich. Schwer zu fahren ist die 883 aber nicht. Wer mit ihr absolut nicht zurechtkommt, sollte sich wirklich den Kauf eines Rollers überlegen.

Thema Bremsen: Wegen der schmalen Bereifung und des fehlenden ABS sind die Bremsen betont stumpf ausgelegt. Mangels ABS bremsen viele Harleyfahrer ohnehin fast nur mit dem Fußbremshebel.

Aufrüstung: Wenn nach 2 Jahren die offene Leistung von 53 PS nicht genügen sollte, kann der 883er beim offiziellen Harley-Händler für rund 2.000 Euro den Hubraum auf 1.200 ccm aufgebohrt werden (mit TÜV). Dann leistet die Maschine rund 70 PS und marschiert in ungefähr 5 Sekunden auf 100.

Die Honda ist das Vorzeige-Motorrad in der 34 PS-Klasse. Sie bietet die Proportionen, das Gewicht und das Handling eines typischen Motorrads. Wobei die CBF 600 sich durch ihr absolut vertrauenseinflößendes Fahrverhalten auszeichnet. Sie ist quasi unstürzbar, wenn es so etwas überhaupt gibt. Ihr ABS harmoniert ausgezeichnet mit der Bremsanlage. Und sie bietet durch ihre verstellbare Sitzhöhe kleinen wie großen Fahrern einen bequemen und fahraktiven Arbeitsplatz.

Der Motor der Honda CBF 600 entfaltet seine Leistung enorm gleichmäßig und berechenbar. Gleichzeitig ist die Maschine ziemlich durchzugsschwach, was besonders in der Drosselversion auffällt. Der Motor klingt auch mit Serienauspuff richtig gut, aber für flottes Vorankommen muss man ihn drehen.
Die Honda ist eines von diesen Motorrädern, die man 2 Jahre lang mit 34 PS fährt, dann auf 78 PS entdrosselt und kurz danach verkauft. Denn die CBF ist eben alles, nur nicht besonders leidenschaftlich. Ein Spitzen-Alltagsmotorrad, das man auch ohne Angst mal ausdreht, aber das wollen viele Motorradfahrer gar nicht. Die fahren im Alltag mit dem Auto zur Arbeit und am Wochenende möchten sie ein aufregendes und irgendwie unperfektes Motorrad bewegen.

Die Kawasaki Ninja 250 R wird von der Zeitschrift Motorrad als die ideale Einsteigermaschine gelobt. Dem kann ich nur eingeschränkt zustimmen.

Zunächst stechen natürlich die Vorteile ins Auge. Die 250 R ist wirklich günstig und sie sieht sportlich aus. Ihr niedriges Gewicht und das federleichte Handling sind für Einsteiger ideal. Der Motor überfordert mit seinen 33 PS auch Anfänger nicht, und es macht Spaß ihn auszuquetschen. Und das alles bei einem sehr niedrigen Verbrauch und geringen Unterhaltskosten.

Aber wir reden hier von einem Anfängermotorrad, und da sind ein paar Warnhinweise angebracht. Ein Blick auf die Reifenmarke ist schon vielsagend: IRC Road Winner. Böse Zungen würden sie "Holzreifen" nennen. Mäßige Traktion, hölzernes Abrollen, relativ geringe Schräglagen möglich. Nun hat die Ninja 250 R kein ABS, Reifen mit schlechter Traktion und dazu giftige Bremsen. Im Grunde sind das ideale Voraussetzungen für Überbremser mit anschließender Rolle über den Asphalt. Auf trockener Straße ist das noch nicht so problematisch, wohl aber auf Rollsplit oder nasser Fahrbahn. Zumindest bessere Reifen sollte Kawasaki seinem kleinsten Sportler gönnen.

Konsequent finde ich die Auslegung auf 33 PS. Mehr gibt es einfach nicht. Das ist auch ok so, denn die meisten Fahrer werden sich nach 2 Jahren ohnehin eine hubraumstärkere Maschine zulegen. Und wer auch nach 2 Jahren mit 250 ccm glücklich ist, der wird in der Regel nicht mehr als 33 PS brauchen. Jetzt-Käufer einer Kawasaki Ninja 250 R sollten dennoch bedenken, dass Fahranfänger schon ab 2013 (also in 2 Jahren) Maschinen mit bis zu 48 PS fahren dürfen. Dann könnten sich 250 R mit 33 PS zu Standuhren entwickeln.

Die Suzuki ergibt mit ihrem enorm stark gedrosselten Motor nur einen Sinn, wenn man fest entschlossen ist, das Motorrad nach 2 Jahren weiterzufahren. Offen leistet die 1250er auf dem Prüfstand immer deutlich über 100 PS. Gedrosselt wird sie nur über den Gasweg. Also fährt man mit der Bandit 1250 quasi immer im Schongang. Das wirkt natürlich gelassen, aber auf einer Kawasaki Ninja 250 R hat man deutlich mehr Spaß.

Die Suzuki ist ein Vollwert-Motorrad. Sie ist gut verarbeitet, bietet viel Platz auch für zwei Personen, der Motor schüttelt die Drossel-Leistung lässig aus dem Ärmel. Das Fahrverhalten ist problemlos, ABS Serie. Die Erstbereifung von Dunlop wirkt etwas hölzern, ein Wechsel auf Michelin Pilot wirkt Wunder bezüglich Aufstellneigung beim Bremsen in Kurven. Sitzbank und Federung sind für lange Touren etwas hart ausgefallen.

Hier gleich noch eine Warnung an die Schlauberger, die sich eine 1250er Bandit mit eingetragenen 34 PS holen und diese nachträglich entdrosseln: Wie leicht sich die Bandit entdrosseln lässt, weiß jeder Polizist. Bei einer Verkehrskontrolle werden die Beamten auf jeden Fall eine "gedrosselte" 1250er untersuchen.

Dennoch ist die Suzuki durchaus ein Motorrad fürs Leben. Wer sie brav 2 Jahre lang mit Drossel bewegt, wird sie nach der Entdrosselung nicht wiedererkennen. Die Fahrleistungen sind deutlich besser, und wer den Gasgriff konsequent aufdreht, der muss auch richtig fahren können. Eine ganze Reihe von Motorradfahrern halten das 1250er Triebwerk von Suzuki für den besten Motorradmotor überhaupt. Das kommt nicht von ungefähr.

(Daten Stand 12/2010. Alle Angaben ohne Gewähr.)