9ii.de / einszweidrei.de Motorrad-Tests

Kawasaki ZZR 1400 ABS (Ninja ZX-14) - 2008 (Serie)

Kawasaki ZZR 1400 Ninja ZX-14
Motorart/Kühlung R 4/Wasser
Hubraum 1352 ccm
Gemischaufbereitung Einspritzung/G-Kat SLS/Euro 3
PS - UMin 193 PS (142 kW) - 9500/min
Nm - UMin 154 Nm - 7500/min
Gänge/Antrieb 6/Kette
Test in Motorrad 13/2008
Gewicht vollgetankt 264 kg
0 - 70 km/h - s
0 - 100 km/h 2,9 s
0 - 120 km/h - s
0 - 140 km/h 4,8 s
0 - 150 km/h - s
0 - 160 km/h - s
0 - 180 km/h - s
0 - 200 km/h 7,8 s
1 km, stehender Start - s
Durchzug letzter Gang
60 - 100 km/h 4,2 s
60 - 120 km/h - s
60 - 140 km/h 7,7 s
60 - 160 km/h - s
100 - 140 km/h 3,5 s
140 - 180 km/h 3,8 s
Vmax solo (abgeriegelt) (298) km/h
100 - 0 km/h - m
Handlingparcours I -
Handlingparcours II -
Kreisbahn -
Verbrauch Landstraße 5,7 L/SB
Preis Testmotorrad zzgl. NK 14.136 Euro (06/2008)

Bemerkungen:
Bereifung: 120/70 ZR 17 - 190/50 ZR 17 (Bridgestone BT 014)

Leistungsmessung auf dem Rollenprüfstand (vergleichbar mit einer genormten Serienmessung): 180 PS bei 9800/min, 147 Nm bei 7800/min.

Reichweite der Gänge: -/-/-/-/-/(321) km/h.

Zum Modelljahr 2008 wurde Kawasakis Supersport-Tourer überarbeitet. Anlass ist die Umstellung auf die Euro 3 Abgasnorm. Mithin gibt es einen geregelten Katalysator in beiden Auspuffrohren und (neu) einen dritten Kat im Sammelrohr. Und weil man gerade dabei war, wurde der komplette Motor überarbeitet.

Der "alten" ZZR 1400 wurde ein spürbares Drehmoment-Loch im unteren Drehzahlbereich unterhalb von 6000/min angelastet. Wobei man das im Verhältnis zu 1400 ccm Hubraum sehen muss. Unterhalb von 3000/min entwickelte sie gar keinen Schub, bis 6000/min wirkte sie etwas lust- und kraftlos, dann ab 6000/min fiel der Hammer. Schuld war eine angeblich "benutzerfreundliche" Abstimmung der Motronik, die in unteren Drehzahlen und in unteren Gängen einfach zuviel Kraft wegregelte. Besonders beim Beschleunigen aus engen Spitzkehren im ersten Gang wirkte die Maschine wie festgewurzelt.
Viele ZZR 1400-Besitzer haben deswegen per PowerCommander die fehlende Kraft wieder nachgerüstet.

Kawasaki hat sich die Kritik der Kunden zu Herzen genommen (vor allem auch, weil die alte ZZR 1400 zuletzt nur noch über kräftige Preisabschläge zu verkaufen war) und aufgerüstet. Die Interferenzrohre der Krümmer wurden 75 Prozent größer, die Durchmesser des Sekundärluftsystems auch. Es gibt eine feiner zerstäubende Einspritzanlage (20 statt 15 Winkelgrad), neue Einlasskanäle mit einem neuen "Air Switching Valve" (ASV) und eine neu abgestimmte Motronik. Anders gestaltete Kolbenprofile sollen die mechanischen Geräusche im Motor verringern helfen. All das lässt sich natürlich nicht für die alte ZZR 1400 nachrüsten, da müsste man schon den kompletten Motor austauschen.

193 PS, drei mehr als bisher, soll die neue ZZR 1400 stemmen. Dank Ram-Air Effekt sollen im Bereich der Höchstgeschwindigkeit noch einmal 10 PS dazukommen. Auf dem Prüfstand waren es bei der Testmaschine dann "nur" 180 PS. Das ist aber immer noch mehr als genug für einen hammerharten Antritt jenseits der 200 km/h. Und Vollgas in Schräglage sollte man sich sehr gut überlegen.

Das Durchzugsvermögen ist tatsächlich besser geworden, aber nicht dramatisch besser. Etwa 10 Nm mehr gibt es bei 2500/min, dann knickt die Kurve kurzzeitig etwas ein, um dann von 3000/min bis 6000/min auf echte 130 Nm anzuwachsen. Von 6000 bis 7000/min hadert die ZZR 1400 noch etwas mit ihrem Kraftzuwachs - und dann fällt der Hammer. Bis 11100/min, wo der Begrenzer einsetzt, ist die Hölle los. Im sechsten Gang kappt der Begrenzer schon bei 10300/min, damit die ZZR 1400 die unter-300-km/h-Regel einhält. Rechnerisch würde die ZZR 1400 beim Ausdrehen im Sechsten bei 11100/min echte 321 km/h schaffen. Aber mit 298 km/h kann man wohl auch leben.

7,7 Sekunden im letzten Gang von 60 auf 140 km/h klingen zwar nicht rekordverdächtig. Man sollte gleichsam dabei im Hinterkopf behalten, dass dieser Gang bis über 320 km/h übersetzt ist.

Der Leichtmetallrahmen wird nun im Druckgussverfahren hergestellt, was allerdings zu keiner messbaren Gewichtsverringerung führt. Genauso wie die alte Kawasaki ZZR 1400 ist die neue 2008er Version sehr fahrsicher und absolut stabil beim Tempobolzen auf Landstraßen und Autobahnen. Wegen ihres hohen Gewichts ist sie natürlich kein Handlingwunder.

Sehr positiv unterscheidet sich die Kawasaki ZZR 1400 von ihrer direkten Konkurrentin, der Suzuki Hayabusa, durch ihr serienmäßiges ABS. Gerade bei solchen Maschinen kommt man öfters mal in die Situation, von über 250 km/h in kürzester Zeit auf 80 - 100 km/h abzubremsen. Es gibt leider viel zuviele Vollidioten auf der Autobahn, die nicht wissen, wie ein Rückspiegel funktioniert. Gleichzeitig können diese Linksblockierer nicht schneller fahren, als sie Hirnzellen im Kopf haben - also höchstens 110. Die radialen Vierkolbenzangen haben immer alles im Griff und Dank ABS kann man einfach voll reinlangen, was den effektiven Bremsweg im Alltag doch stark verkürzt. Und das eigene Leben entsprechend verlängert.

600 Euro weniger verlangt Kawasaki nun für die ZZR 1400, also 13.795 Euro zzgl. Nebenkosten. Dafür muss man den Hauptständer extra bezahlen (249,90 Euro). Dazu hatte die Testmaschine noch eine Tourenscheibe von MRA für 91,20 Euro. In den USA heißt die Maschine übrigens Ninja ZX-14 und wird dort nur ohne ABS angeboten. Auch die ZX-14 profitiert von den 2008er Änderungen.

Wer sich jetzt überlegt, seine alte ZZR 1400 gegen eine neue auszutauschen: Es muss nicht sein, wenn man mit Euro 2 leben kann. Leistungsmäßig kann ein Tuner wie LKM aus Bonn am Rhein Besserung anbieten. Mit Serienauspuff sind echte 203 PS drin, mit Akrapovic sogar 206 PS. Wem das noch nicht reicht, der bekommt seine 2006/2007er ZZR 1400 von 1352 auf 1500 ccm aufgebohrt, was mit Akrapovic-Töpfen in echten 231 PS gipfeln soll.

(Daten Stand 02/2008. Alle Angaben ohne Gewähr.)

Link: kawasaki.de