Das einszweidrei Auto-Quartett - Motorräder

Honda CBF 600 N ABS - 2006 (Serie)



Motorart R 4/Wasser
Hubraum 599 ccm
Gemischaufbereitung Vergaser/U-Kat/Euro 2
PS - UMin 77,52 PS (57 kW) - 10500/min
Nm - UMin 58 Nm - 8000/min
Gänge/Antrieb 6/Kette
Test in MO 03/2006
Gewicht vollgetankt 223,5 kg
0 - 70 km/h - s
0 - 100 km/h 3,7 s
0 - 120 km/h - s
0 - 140 km/h - s
0 - 150 km/h - s
0 - 160 km/h - s
0 - 180 km/h - s
0 - 200 km/h - s
1 km, stehender Start - s
Durchzug letzter Gang
60 - 100 km/h - s
60 - 120 km/h - s
60 - 140 km/h 13,3 s
60 - 160 km/h - s
100 - 140 km/h - s
140 - 180 km/h - s
Vmax solo 203 km/h
100 - 0 km/h - m
Handlingparcours I -
Handlingparcours II -
Kreisbahn 46 m -
Verbrauch 5,7 L/NB
Grundpreis zzgl. NK 6.790 Euro (03/2006)

Bemerkungen:
Bereifung: 120/70 ZR 17 - 190/50 ZR 17 (Michelin Pilot Road).

Leistungsmessung auf dem MO Rollenprüfstand (vergleichbar mit einer genormten Serienmessung): - PS bei -/min, - Nm bei -/min.

Reichweite der Gänge: -/-/-/-/-/- km/h.

In Fachkreisen gilt die Honda CBF 600 als langweilig und lahm, verglichen mit anderen aktuellen 600ern/650ern. Ich selbst habe mir eine CBF 600 NA im März 2006 gekauft. Warum bloß?

Zum einen hat sie ein ausgereiftes ABS. Wer, wie ich, schon bei zwei Gelegenheiten durch den heldenhaften Einsatz eines schneidenden Autofahrers zu einer Vollbremsung auf nasser Fahrbahn gezungen wurde und sich entsprechend lowsidernd auf den harten Asphalt verabschieden durfte (einmal mit einem Roller bei 50 km/h, einmal mit einer GPZ 500 S bei 80 km/h) - der lästert nicht mehr über ABS. ABS funktioniert übrigens theoretisch auch beim Bremsen in Kurven, nur da kommt es vielmehr auf eine geringe Aufstellneigung an, damit man sich möglichst nicht beim Bremsen aufrichtet und sich in den Gegenverkehr bzw. den Graben verabschiedet.

Zum anderen ist die CBF völlig unkompliziert, behält aber trotzdem ihre Motorradgene. Ihre Leistung gibt sie völlig linear von ca. 1500/min bis zur Drehzahlgrenze bei ca. 12000/min ab, mit einem leichten zweiten Wind ab 8000/min. Das bedeutet, dass man relativ (relativ!) unbeschwert in jeder Situation das Gas aufreißen kann, ohne gleich einen Highsider zu fürchten. Da ich mich immer noch zu den Fahranfängern zähle, ist das genau die Leistungscharakteristik, die ich brauche. Von der '95er CBR 600 F ist bekannt, dass sie problemlos Laufleistungen von 100.000 km erreichen konnte, deswegen kann man vom relativ simpel aufgebauten und wartungsfreundlichen Motor wohl ein langes Leben erwarten.

Dazu kommt mit den Michelin Pilot Road ein Fahrverhalten, das man getrost als "unstürzbar" bezeichnen kann. Trotzdem ist die CBF recht hart abgestimmt, so dass sie auch sehr flottes Fahren gut wegsteckt. Alleine die recht geringe Schräglagenfreiheit durch die früh aufsetzenden Angstnippel an den Fußrasten begrenzen den Kurvenspaß.

Die Sitzposition lässt sich (umständlich durch Schrauberei) in drei Stufen verstellen. Die Lenkerposition kann man zwar auch zweifach verstellen, aber sie ist für betont sportliche Fahrweise etwas zu hoch. Die Verarbeitung ist gut, bietet aber in den Details keine Höhepunkte.

Schwachpunkte hat die CBF natürlich auch. Der Motor stammt aus der 1995er CBR 600 F, ist also ein altes Eisen. Er startet wirklich schlecht und zeigt sich auf dem ersten Kilometer Fahrt reichlich unwillig. Bei Drehzahlen unterhalb von 5000/min gibt es starke Lastwechselreaktionen und beim Anfahren möchte der Motor am liebsten mindestens 2500 auf dem DZM sehen. Man kann auch mit 1500/min anfahren, aber manchmal geht der Motor dann einfach aus. Peinlich. Der Verbrauch ist, gemessen an den Fahrleistungen, recht hoch. Das Leergewicht auch, aber mir persönlich liegen 190-kg-Renner nicht so. Sie wirken in Kurven zu nervös. Dann wäre da noch das fehlende Prestige. Andere Motorradfahrer schauen einen an der Ampel mitunter abschätzend an. Sie gehen meistens davon aus, dass man das Ding mit 34 PS betreibt. Ok, nach dem Anfahren sind sie klüger... Aber zum Angeben taugt eine normal belassene CBF nicht. Ich lege da auch wenig Wert drauf, aber bei vielen anderen Motorradfahrern scheint das so zu sein.

Die Übersetzung ist eine Idee zu lang. Man kann (was ich nicht mache, weil dadurch die Betriebserlaubnis erlischt) ein anderes Kettenrad mit 45 statt der serienmäßigen 43 Zähne montieren. Dann passt noch die Originalkette und die Übersetzung verkürzt sich um 4,7%. Das bedeutet, dass die CBF 600 schon bei 197 km/h statt bei 210 km/h ausdreht, aber Beschleunigung und Durchzug werden erheblich besser. Der Tacho zeigt dann falsche Werte an und muss auch angepasst werden. Zur TÜV-Prüfung muss natürlich alles wieder zurückgebaut werden, weil es sonst übel Ärger gibt.
Was sich leider nicht verbessern lässt, ist die harzige Schaltung mit ihren langen Wegen.

Noch etwas zum ewigen Streit "mit oder ohne Verkleidung". Im Allgemeinen halten sich Verkleidungs-Käufer für die professionelleren Motorradpiloten. Die CBF 600 ohne Verkleidung hat indes etwa 5 kg weniger auf der Vorderachse zu tragen, sie ist deshalb spürbar handlicher als die verkleidete Version. Zudem sieht man mehr von der Straßenoberfläche, weil keine Verkleidung die Sicht blockiert. Die Geschwindigkeitsbereiche, in denen man sich mit so einem Bike bewegt, sind nicht so hoch, als dass man zwingend einen Windschutz braucht. Außerdem kommt man sich auf einer Naked immer schneller vor als man eigentlich ist, was einen nicht zu unterschätzenden Vorteil hinsichtlich der Verkehrssicherheit bedeutet. Nur bei häufigen Fahrten bei Regenwetter und Autobahnfahrten oberhalb der Richtgeschwindigkeit ist eine Verkleidung im Vorteil.

(Stand: 03/2006)

Link: honda.de