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Harley-Davidson VRSCDX Night Rod Special 1130 - 2007 (Serie)

Harley-Davidson Night Rod Special 2007

Motorart/Kühlung V 2/Wasser
Hubraum 1131 ccm
Gemischaufbereitung Einspritzung/U-Kat SLS/Euro 3
PS - UMin 121 PS (89 kW) - 8250/min
Nm - UMin 108 Nm - 7000/min
Gänge/Antrieb 5/Zahnriemen
Test erwähnt in MO 05/2008
Gewicht vollgetankt 315 kg (v/h 45,4/54,6)
0 - 70 km/h - s
0 - 100 km/h 4,6 s
0 - 120 km/h - s
0 - 140 km/h - s
0 - 150 km/h - s
0 - 160 km/h - s
0 - 180 km/h - s
0 - 200 km/h - s
1 km, stehender Start - s
Durchzug letzter Gang
60 - 100 km/h - s
60 - 120 km/h - s
60 - 140 km/h 11,1 s
60 - 160 km/h - s
100 - 140 km/h - s
140 - 180 km/h - s
Vmax solo (gemessen) 222 km/h
100 - 0 km/h - m
Handlingparcours I -
Handlingparcours II -
Kreisbahn -
Verbrauch Landstraße 6,5 L/SB
Preis Testmotorrad zzgl. NK 18.355 Euro (2007)

Bemerkungen:
Bereifung: 120/70 ZR 19 - 240/40 VR 18 (HD-Dunlop D208/Elite 3)

Reichweite der Gänge: 101/150/189/218/(243) km/h.

Ich fahre selbst eine Night Rod Special (VRSCDX 2008 mit 1250er Motor). Ich will trotzdem neutral über dieses Motorrad berichten, damit sich ein Interessent ein möglichst realistisches Bild machen kann.

Als zum Modelljahr 2007 die auf der V-Rod basierende VRSCDX Night Rod Special (kurz: NRS) vorgestellt wurde, da ging ein Aufschrei durch die Gemeinde. Böser, gemeiner und härter sah noch nie eine serienmäßige Harley-Davidson aus - und das wurde ausgerechnet mit einem wassergekühlten V-Rod-Derivat realisiert. Die Jünger der luftgekühlten Dynas und Softails waren etwas beleidigt. Andere, die es nicht so eng sahen, empfingen diesen endzeitimäßigen Streetfighter mit offenen Armen. Mittlerweile (05/2008) ist die Night Rod Special ein fester Bestandteil des Harley-Programms.

Der Motor der NRS ist derselbe der V-Rod. Er wurde maßgeblich von Porsche in Weissach konstruiert. Mithin ist sein Charakter ganz anders als der der übrigen Harley-Palette. Während die luftgekühlten Harleys bei 5000/min Schluss machen, wacht der 1130er bei dieser Marke erst richtig auf. Er dreht dann munter weiter bis zur Abriegeldrehzahl von 9000/min. Unterhalb von 3000/min will der 1130er V2 nicht so recht, da kann es schon mal ruckeln. Anders als die luftgekühlten Twin Cam 88 und 96 - Motoren kommt der Schub eher über die Drehzahl. Der Sound, den der Motor oberhalb von 5000/min entwickelt, erinnert an die glorreichen CamAm-V8-Rennwagen der 70er Jahre (lautmalerisch "BRRRAAAAAAAAA"). Da stellen sich spontan die Nackenhaare auf.

Das Fahrverhalten wird durch die extreme Auslegung der Night Rod Special bestimmt. Man sitzt sehr tief, Lenker und Fußrasten sind weit vorne gelagert. Unter 1,80 m Körpergröße disqualifizieren gewissermaßen für die NRS, kleine Leute kommen einfach nicht vernünftig an die Lenkergriffe und/oder Fußrasten. Der Radstand der NRS ist ellenlang. Dazu hat sie einen irre breiten Hinterreifen und ein relativ großes Vorderrad. Das bedeutet, sie läuft sehr gut geradeaus. Und sie will absolut nicht durch Kurven. Der Wendekreis einer Night Rod Special ist dem eines Öltankers nicht unähnlich. Das bedeutet aber nicht, dass die NRS unfahrbar wäre. Sie verlangt vielmehr einiges an Körpereinsatz vom Piloten. Die Night Rod Special sieht nicht nur aus wie Mad Max, sie ist Mad Max. Zartbesaitete sollten sich lieber ein normales Big Bike kaufen.

Es lässt sich auch gut cruisen mit der Night Rod Special. Bei niedrigen Drehzahlen gibt sich der 1130er V2 überraschend vibrationsarm und zahm. Harte Lastwechsel sind ihm fremd, und überhaupt ist der Motor ein echtes Sahnestück, das jeden Vergleich mit jedem anderen V2 weltweit aushält.

2007 gab es schon ein Sondermodell der Night Rod Special, die einfach nur "VRSCDX" hieß. Sie hat eine Evolutionsstufe des V-Rod-Triebwerks mit 1246 ccm und 125 PS, die einen deutlich besseren Drehmomentverlauf als die Version mit 1131 ccm aufweist. Die 2008er Night Rod Special hat jetzt serienmäßig den 1250er eingebaut. Mithin verbesserten sich die Fahrleistungen etwas (0 - 100 km/h in 4,0 Sekunden, 60 - 140 km/h im letzten Gang in 9,0 Sekunden, Vmax 230 km/h). In der Praxis allerdings geben sich die 1130er und die 1250er nichts, solange der 1130er Pilot seine Drehzahlreserven konsequent nutzt. Die Brembo-Bremsen der 2008er NRS sind allerdings deutlich besser als die Bremsen der 2007er Version. Die 2008er NRS gibt es zudem auf Wunsch auch mit ABS.

Noch ein Wort zu den Fahrleistungen: 4,6 bzw. 4,0 Sekunden auf 100 km/h sehen im Vergleich zu Sport-Bikes nicht schnell aus. Aber die NRS hat zwei gute Eigenschaften, die es mühelos ermöglichen, diese Beschleunigung auch jederzeit zu nutzen. Sie hat einen sehr langen Radstand, deswegen bleibt das Vorderrad auch beim harten Angasen schön am Boden. Zudem bewirkt die Kombination aus relativ hohem Leergewicht und ultra-breitem Hinterreifen eine sehr gute Traktion, so dass die Kraft fast verlustfrei auf die Straße gebracht werden kann. Während also der Pilot eines leichten und kurzen Supersportlers immer die Waage zwischen aufsteigendem Vorderrad und durchdrehendem Hinterreifen finden muss, kann der NRS-Pilot voll reinlangen. Es ist zwar möglich, mit gezogender Vorderradbremse einen Burnout hinzulegen - auch kann man mit einem festen Gasstoß aus dem Stand mit einem Gummiteppich losfahren. Aber Beschleunigungsvorgänge gehen viel leichter von der Hand als bei 1000er Supersportlern. Das führt oft zu lustigen Erlebnissen an der Ampel. Denn vor allem Fahrer von Sportwagen halten die Night Rod Special für einen Blender. Schließlich "wissen" alle, dass eine Harley-Davidson langsam ist. Umso größer die Augen, wenn sich das Riesenbaby mit einem gewaltigen Satz und Donnergrollen Richtung Horizont verabschiedet.

Ein ewiger Streitpunkt bei der Harley-Davidson VRSCDX Night Rod Special ist die Auspuffanlage. Ihre mattsilbernen Endtöpfe stehen im diametralen Gegensatz zur mattscharzen Erscheinung des Motorrads. Ein Running Gag ist die Frage bei Motorrad-Treffs "wo kommt denn da der Kaffee rein" - in Anspielung auf das Design der Endtöpfe, die ein bisschen an Thermoskannen erinnern. Zudem sind die gesetzlichen Regelungen des Euro 3 mittlerweile so streng, dass die Anlage nicht ansatzweise so ballern darf, wie sie könnte. Erst bei höheren Geschwindigkeiten röhrt die Maschine ziemlich ungeniert in die Gegend.

Wer es lauter (mit TÜV) will, der muss zu Kess-Tech gehen und die Auspuffanlage austauschen.

Daneben bietet Günther Sohn's Firma "G & R" Tuning-Lösungen von Power Commander Kits bis hin zu einem Sprintex Supercharger Kit (ca. 160 PS) an.

(Daten Stand 05/2008. Alle Angaben ohne Gewähr.)

Link: harley-davidson.de