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Harley-Davidson FLSTSB Cross Bones TC 96 B - 2008 (Serie)

Harley-Davidson FLSTSB Cross Bones TC 96 B

Motorart/Kühlung V 2/Luft
Hubraum 1584 ccm
Gemischaufbereitung Einspritzung/G-Kat/Euro 3
PS - UMin 73 PS (54 kW) - 5300/min
Nm - UMin 120 Nm - 3300/min
Gänge/Antrieb 6/Zahnriemen
Test in MO 05/2008
Gewicht vollgetankt 333 kg
0 - 70 km/h - s
0 - 100 km/h 5,6 s
0 - 120 km/h - s
0 - 140 km/h - s
0 - 150 km/h - s
0 - 160 km/h - s
0 - 180 km/h - s
0 - 200 km/h - s
1 km, stehender Start - s
Durchzug letzter Gang
60 - 100 km/h - s
60 - 120 km/h - s
60 - 140 km/h 15,0 s
60 - 160 km/h - s
100 - 140 km/h - s
140 - 180 km/h - s
Vmax solo 180 km/h
100 - 0 km/h - m
Handlingparcours I -
Handlingparcours II -
Kreisbahn -
Testverbrauch 5,8 L/SB
Preis Testmotorrad zzgl. NK 19.195 Euro (04/2008)

Bemerkungen:
Bereifung: MT90 B 16 - 200/55 R 17 (Dunlop D 402/D 401)

Leistungsmessung auf dem Rollenprüfstand (vergleichbar mit einer genormten Serienmessung): 75 PS bei 5500/min, 123 Nm bei 3300/min.
Die Leistungsmessung wurde von der Zeitschrift "Motorrad" in Ausgabe 11/2008 vorgenommen. --- Der "Motorrad" angemessenen Arroganz entsprechend testete die Zeitschrift in ihrem "Test" aber keine Fahrleistungen der Cross Bones.
Die Zeitschrift MO stellt sich bei Harley-Tests nicht so blöd an und hat Spurt- und Durchzugswerte der Maschine veröffentlicht.

Reichweite der Gänge: -/-/-/-/-/- km/h.

Die Softail-Familie von Harley-Davidson hat Zuwachs bekommen. Die neue Cross Bones ist eine Hommage an die wilden Vierziger Jahre. Nach dem zweiten Weltkrieg war auch in den USA die Wirtschaft ziemlich am Boden. Man hatte jahrelang nur Kriegsbedarf produziert, und Luxusgüter jeglicher Art fehlten.

Auch bei den Motorrädern handelte es sich noch Jahre nach Kriegsende um Konstruktionen, die in den dreißiger Jahren entwickelt worden waren. Harley-Davidson hatte in den Zwanziger Jahren die "Two Cam" Motoren und die berüchtigte Springer-Gabel eingeführt, deren zwei Federn außen vorne vor der Gabel angebracht waren. Das Heck war starr mit dem Rahmen verbunden, eine Hinterradfederung damals unbekannt. Diese Bauweise hielt sich im Prinzip bis in die Vierziger Jahre, inklusive der legendären Modelle namens Model U "Police" (30 PS) und dem US Army "Warhorse" WLA (23,5 PS). Diese Modelle stellten zusammen mit den anderen Vorkriegsharleys das Gros der Motorräder in den USA der späten Vierziger und frühen Fünfziger Jahre.

Also machten sich Customizer daran, diese Uralt-Geschöpfe aufzupeppen. Man entfernte alle als überflüssig empfundenen Teile und lackierte die Maschinen meistens in düsteren Farben. Geboren waren die sogenannten "Bobber". Das Bobtail genannte hintere Schutzblech, das mit einem Schwung nach oben im Heck abschließt, hatte ursprünglich eine ganz pragmatische Funktion: Die Bobber hatten das Heckteil, an dem sich das Nummernschild befand, einfach nach oben gebogen. So konnte die Polizei bei einer Verfolgungsjagd nicht so gut das Nummernschild erkennen. Blitzanlagen waren zu jener Zeit noch unbekannt.

Die Cross Bones lässt nun die Tradition der Bobber wieder aufleben, und das kann sie echt gut. Wer die Maschine schon einmal gesehen hat, weiß warum das Ding nur ein Verkaufshit werden kann. Auffälliger geht's wohl nicht. Ich bin ein paar Minuten lang neben einer Cross Bones in der Innenstadt gefahren. Ich habe selbst eine Night Rod Special, auch ein ziemlich auffälliges Gerät. Aber gegen die Cross Bones ist das kein Vergleich.

Der Fahrer sitzt auf der Cross Bones betont aufrecht. Ein Deo kann er sich sparen, denn dank Ape-Hanger Lenker streckt er die Arme nach oben von sich. Das mag zwar unbequem aussehen - aber bei Sitzen merkt man, dass die aufrechte Haltung mit den satt auf den vorgelagerten Trittbrettern ruhenden Stiefeln das einzig Wahre ist. Feng Shui à la Harley-Davidson.

Die Federung gibt sich von der harten Sorte. Nicht umsonst hat sich Harley-Davidson schon in den Fünfziger Jahren von der Springer-Gabel verabschiedet. Die Konstruktion ist wartungsaufwendig, federt schlecht und lässt die Front auf schlechter Fahrbahn munter hin- und herspringen. Dazu gesellt sich die harte Heckfederung (verborgen unter dem nur optisch starren Heck), die lediglich auf topfebenen Belag gut funktioniert. Die kurzen Inspektionsintervalle von 4.000 km ergeben sich nicht zuletzt aus der Pflegebedürftigkeit der Springer-Gabel. Aber jetzt mal im Ernst, wen interessiert das denn? Eine Springer sieht geil aus. So wie das ganze Bike. Punkt.

Wer jetzt trotzdem noch heult, soll sich bitte eine BMW kaufen. Die Cross Bones begegnet dem Ungemach von Holperpisten mit einem gefederten Sattel. Auf Wunsch kann man sogar einen Soziussitz bekommen. Für den, der auch auf Touren keine Ruhe vor seiner Frau haben will...

Der Motor in den Softails wird, im Gegensatz zur Dyna-Reihe, nicht in Gummi gelagert. Bei Cross Bones und Co. werden die Vibrationen des 45 Grad V2 von zwei Ausgleichswellen im Zaum gehalten. Der Motor entwickelt quasi aus dem Stand über 90 Nm Drehmoment, und dreht dann kräftig und gleichmäßig bis zum Drehzahllimit von 5500/min. Wie bekannt, drosselt Harley-Davidson die Drehzahlgrenze auf betont niedrigem Niveau. Das sorgt für eine sehr gute Haltbarkeit. Natürlich gibt es auf Wunsch jede Menge Tuning-Möglichkeiten. Aber ein Cruiser wie die Cross Bones braucht so etwas nicht. Sie ist keine Fireblade, aber 5,6 Sekunden auf 100 km/h sind mit ihr auch im Alltag jederzeit locker zu schaffen. Wegen ihres hohen Leergewichts und dem hohen Gewicht auf der Hinterachse braucht man nicht, wie bei Supersportlern, mit einem steigenden Vorderrad oder einem durchdrehenden Hinterrad zu kämpfen.

Die Bremsen sind, gemessen an modernen Standards, schlecht. Die einzelne Scheibe vorne führt einen ziemlich aussichtslosen Kampf gegen 333 kg Gewicht (ohne Fahrer). Aber Harley-Fahrer kennen das schon. Wegen des hohen Gewichts auf der Hinterachse wird immer die Hinterradbremse mitbenutzt. Das erfordert etwas Übung, funktioniert dann jedoch gut. Die Schräglagenfreiheit der Cross Bones ist standesgemäß begrenzt. Zum Rasen kauft man sich dann doch lieber eine Fireblade, woll?

Noch ein Wort zu den Bremsen, d.h. eine Anekdote. Harley-Davidson war der erste Hersteller, der eine Vorderradbremse an Motorrädern verbaute. Zum Modelljahr 1928 wurde eine Trommelbremse im Vorderrad des Modells JH (29 PS) angeboten. Dies entfachte eine ähnliche "Sicherheitsdiskussion" bei Motorradfahrern wie heutzutage das ABS. Damals galt nämlich vielen Motorradfahrern eine Vorderradbremse als unnötiges Sicherheitsrisiko. Schließlich führt ein blockierendes Vorderrad zum Sturz - wozu die Gefahr einer Front-Blockade auch noch mit einer vorderen Bremse extra erhöhen? Kurzerhand hängten sich viele Fahrer die Bremsseile der neuen Bremse aus und bremsten weiterhin nur mit der Heckbremse.

Angesichts dessen ist die einzelne vordere Scheibenbremse der neuen Cross Bones direkt fortschrittlich. Und für Anfänger mit prall gefüllter Brieftasche gibt es sogar eine 34 PS-Version (bei 4750/min). Männer greifen zu, andere heulen eben und kaufen sich einen Japaner.

Bei der Gelegenheit: Mehr Leistung (durch noch mehr Hubraum) gibt es von Harley-Davidson auf Wunsch. Daneben bietet Günther Sohn's Firma "G & R" Tuning-Kits und Big Bore-Umbauten (1690 und 1920 ccm) für den 96er Twin Cam an.

(Daten Stand 04/2008. Alle Angaben ohne Gewähr.)

Link: harley-davidson.de