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Harley-Davidson VRSCAW V-Rod 1250 ABS - Modell 2008 (Serie)


Motorart/Kühlung V 2/Wasser
Hubraum 1247 ccm
Gemischaufbereitung Einspritzung/U-Kat/Euro 3
PS - UMin 125 PS (92,0 kW) - 8250/min
Nm - UMin 115 Nm - 7000/min
Gänge/Antrieb 5/Zahnriemen
Top Test in Motorrad 22/2007
Gewicht vollgetankt 310 kg (v/h 45/55)
0 - 70 km/h - s
0 - 100 km/h 4,0 s
0 - 120 km/h - s
0 - 140 km/h 6,4 s
0 - 150 km/h - s
0 - 160 km/h - s
0 - 180 km/h - s
0 - 200 km/h 14,8 s
1 km, stehender Start - s
Durchzug letzter Gang
60 - 100 km/h 4,2 s
60 - 120 km/h - s
60 - 140 km/h 9,0 s
60 - 160 km/h - s
100 - 140 km/h 4,8 s
140 - 180 km/h 5,8 s
Vmax solo (Werk) (230) km/h
100 - 0 km/h 42,9 m
Handlingparcours I 22,3 s/90 km/h
Handlingparcours II 34,2 s/43,8 km/h
Kreisbahn 46 m 13,3 s/41,9 km/h
Verbrauch Landstraße 5,6 L/SB
Grundpreis zzgl. NK 18.965 Euro (04/2007)

Bemerkungen:
Bereifung: 120/70 ZR 17 - 240/40 VR 18 (Dunlop D208/Elite 3).

Leistungsmessung auf dem Rollenprüfstand (vergleichbar mit einer genormten Serienmessung): 125 PS bei 8300/min, 116 Nm bei 6800/min.

Reichweite der Gänge: 101/150/189/218/(243)/- km/h.

Die V-Rod ist quasi baugleich mit der Night Rod Special (NRS). Das getestete Modell hatte ein ABS, das unabhängig auf beide Bremsen wirkt. Ohne ABS kostet die V-Rod 900 Euro weniger (17.975 Euro zzgl. NK) und ist ca. 5 kg leichter.

Wie in Harley-Kreisen wohlbekannt, hat die 2003 vorgestellte V-Rod Baureihe einen von Porsche entwickelten, wassergekühlten Motor. Nun wurde die Baureihe zum Modelljahr 2008 grundlegend überarbeitet.

Der kurzhubige Motor bekam 5mm mehr Bohrung, der Hubraum erhöhte sich mithin um 115 ccm. Dazu bekam die Maschine überarbeitete "High-Flow" Zylinderköpfe und neue Auslassnockenwellen. Dies führt zu einer mess- und spürbaren Leistungssteigerung. Die 1130er wurde im Motorrad-Test mit 114 PS (84,1 kW) und 106 Nm gemessen. Also liegen bei der 1250er gut 10 PS und 10 Nm mehr an. Übrigens sind die V-Rod-Motoren leicht gedrosselt. Harley-Davidson legt viel Wert auf die Langlebigkeit seiner Motoren, deswegen werden nicht die letzten Reserven ausgereizt. Mit einem Powercommander III wird man wohl noch das eine oder andere PS herausholen können.

Der 1130er Motor litt unter einer leichten Drehmomentschwäche unterhalb von 3000/min, der neue 1250er zieht auch ab 2000/min gut durch. Ab 5000/min gibt es einen zweiten Wind, und die Maschine zieht Cruiser-untypisch wie eine Rakete Richtung Horizont. Die erreichten Fahrleistungen sind zwar denen einer Honda CB 1300 (mit Reihen-Vierer) leicht unterlegen, aber man kann mit der 1250er V-Rod/Night Rod ein lustiges Spiel auf der Landstraße treiben. Zufälligerweise dreht die V-Rod bei 100 km/h fast genau 5000/min im dritten Gang... spielt nun bei dieser Geschwindigkeit ein anderer Verkehrsteilnehmer den "Anhänger", dann dreht man einfach den Hahn voll auf - und die Maschine katapultiert sich direkt im optimalen Drehzahlbereich im Handumdrehen auf fast 190 km/h. In diesem Bereich haben auch Supersportler Probleme, dranzubleiben. Burnouts sind in den unteren zwei Gängen mit simplem Gasaufreißen zu realisieren.

Beim Fahrwerk hat sich auch etwas getan. Der Hinterreifen ist jetzt statt im handlichen 180er- jetzt im wichtigen 240er-Format. Mit den bekannten Nebenwirklungen natürlich. Je breiter ein Hinterreifen, desto mehr Schräglage muss für vergleichbare Kurvengeschwindigkeiten aufgebracht werden. Und die Schräglagenfreiheit der V-Rod/Night Rod Special ist begrenzt. Dazu ist der Radstand ellenlang, worunter die Handlichkeit leidet. Ein Kurvenkünstler ist die V-Rod nicht. Aber der Geradeauslauf ist hervorragend, und mit etwas Körpereinsatz kommt man auch manierlich um alle Kurven. Für rechtwinklige Ecken braucht man etwas Übung, denn man tendiert leicht dazu, mit dem Hinterreifen über die Ecke zu poltern...

Es gibt auch Gutes über die Fahreigenschaften zu berichten. Die Federelemente sind zwar nicht einstellbar, aber straff genug die für flotte Fahrt auf allen Straßen-Oberflächen. Die Radlager wurden vergrößert und die Achsen sind jetzt hohlgebohrt, was das Fahrverhalten verbessert. Es gibt sogar eine Slipper-Kupplung, die beim schnellen Herunterschalten ein Stempeln des Hinterrades unterbindet. Die neuen Brembo-Bremsen mit 300 mm Scheiben verzögern manierlich, aber man muss für optimale Ergebnisse Vorder- und Hinterradbremse gleichzeitig benutzen. Nun, Harley-Fahrer kennen das von den anderen Modellen der Marke.
Das ABS regelt etwas grob, aber man kann nun im Notfall auch auf feuchtem Untergrund bedenkenlos voll reingreifen ohne gleich das Pflaster zu küssen.

Die 1130er beschleunigt übrigens mindestens genauso schnell wie die 1250er. Kein Wunder, denn die getestete 1250er mit ABS wog 25 kg mehr als eine 2001 getestete ABS-lose 1130er. Bei dieser Gelegenheit noch ein Wort zum Argument "japanische Vierzylinder-Big Bikes sind vielseitiger, schneller und billiger"... das stimmt, aber einem echten V2-Fan ist das egal. Für einen Rodder kommt sowieso nur eine Harley-Davidson in Frage, auch wenn der Motor von Porsche maßgeblich konstruiert wurde. V-Rod und Night Rod Special sind schon im Serienzustand eine echte Show, das ist bei den meisten Japanern leider nicht der Fall (außer die CB 1300 Naked 2008, die in ihrem Rot-Weiß mit goldenen Felgen schon recht cool wirkt). Dazu sind die Rodder innerhalb der Harley-Gemeinde eine eigene Gemeinschaft. Die V-Rod/Night-Rod ist kein klassischer Cruiser. Sie wirkt wegen der sehr niedrigen Sitzposition viel handlicher als ihr Gewicht vermuten lässt. Für einen Cruiser ist sie verdammt schnell - etwas schneller sogar als eine nicht gerade langsame Suzuki Intruder M1800R. Ein Bike für alle Tage und die Fernreise ist sie vielleicht nicht - aber eins für die besonderen Tage im Leben. Und man lebt bekanntlich nur einmal.

Ich habe mir jetzt im Januar 2008 eine Night Rod Special (NRS 08) gekauft. Ohne ABS, in Vivid Black mit orangenen Racing Stripes. Man lebt ja nur einmal.

Noch eine Bemerkung zum Tuning: Die australische Firma Sprintex hat einen Supercharger für die V-Rod/NRS (1131ccm und 1246ccm) entwickelt. Es sollen alltagstaugliche 160 PS bei einer 1130er herauskommen. Mit höheren Ladedrücken soll man auch mehr PS realisieren können, aber ob das sinnvoll ist...?
Das Getriebe der V-Rod/NRS hakelt schon beim Schalten unter Vollgas ein wenig. Das ist ein Indiz dafür, dass es an der Belastungsgrenze operiert.

Sprintex gibt den Preis für den Supercharger-Kit mit 6.995 AUS-Dollar an, das sind momentan (Jan 2008) etwa 4.160 Euro. Dazu kommen laut Hersteller 8-9 Arbeitsstunden für die Montage. Rechnet man noch die "Kleinteile" dazu, die TÜV-Abnahme und eventuelle Kosten für eine verstärkte Kupplung oder sogar ein verstärktes Getriebe, dann rechnet sich für konsequente Raser wohl eher der zusätzliche Kauf einer Gixxer oder R1 mit Tageszulassung.

Wer trotzdem seine V-Rod / Night Rod Special mit einem Kompressor ausrüsten will - Günther Sohn's Firma G und R bietet nach eigenen Angaben seit September 2007 eine Umrüstung auf Sprintex Kompressoren an.

(Stand Daten 10/2007, alle Angaben ohne Gewähr)

Link: harley-davidson.de