| Motorart/Kühlung | R 2/Wasser |
| Hubraum | 798 ccm |
| Gemischaufbereitung | Einspritzung/G-Kat/Euro 3 |
| PS - UMin | 85 PS (62,5 kW) - 7500/min |
| Nm - UMin | 83 Nm - 5750/min |
| Gänge/Antrieb | 6/Kette |
| Test in Motorrad 10/2008 | |
| Gewicht vollgetankt | 222 kg |
| 0 - 70 km/h | - s |
| 0 - 100 km/h | 4,0 s |
| 0 - 120 km/h | - s |
| 0 - 140 km/h | 6,9 s |
| 0 - 150 km/h | - s |
| 0 - 160 km/h | - s |
| 0 - 180 km/h | - s |
| 0 - 200 km/h | 20,8 s |
| 1 km, stehender Start | - s |
| Durchzug letzter Gang | |
| 60 - 100 km/h | 4,4 s |
| 60 - 120 km/h | - s |
| 60 - 140 km/h | 9,4 s |
| 60 - 160 km/h | - s |
| 100 - 140 km/h | 5,0 s |
| 140 - 180 km/h | 7,9 s |
| Vmax solo | (204) km/h |
| 100 - 0 km/h | 42,4 m |
| Handlingparcours I | - |
| Handlingparcours II | - |
| Kreisbahn | - |
| Verbrauch Landstraße/130 km/h | 5,0/- L/SB |
| Preis Testmotorrad zzgl. NK | 10.800 Euro (04/2008) |
| Bemerkungen: Bereifung: 90/90-21 - 150/70 R 17 (Bridgestone Battle Wing BW 501 G) Leistungsmessung auf dem Rollenprüfstand (vergleichbar mit einer genormten Serienmessung): 88 PS bei 8200/min, 82 Nm bei 5600/min. Reichweite der Gänge: -/-/-/-/-/- km/h. Seit vielen Jahren hat die Gemeinde der Fernreisenden auf eine würdige Nachfolgerin der Honda Africa Twin oder der Yamaha Super Ténéré gewartet. Vergebens, wie es schien. Allenfalls eine KTM Adventure konnte als leichte, absolut geländetaugliche Alternative gelten. Doch die Adventure hat schon fast wieder zuviele PS für eine Fernreise-Enduro, und sie ist vergleichsweise teuer. Die BMW GS mutierte mit den Jahren immer mehr zu einem übergewichtigen Luxus-Spielzeug für Pseudo-Abenteurer. Nun naht Rettung, und das von BMW selbst. Das Mittelklasse-Motorrad F 800 wurde zu einer geländetauglichen Maschine umgerüstet. Und es füllt eine Lücke, die jahrelang unbeachtet schien. Die F 800 GS hat weder Kardanantrieb noch Telelever-Gabel. Nein, man entdeckt wahrhaftig eine offene Kette und eine Upside-Down-Gabel. Ketten lassen sich überall leicht reparieren und austauschen. Die Upside-Down-Gabel bewirkt eine bessere Rückmeldung im Gelände. Und es gibt ein 21-Zoll-Vorderrad, das den Geradeauslauf auf buckligen Staubpisten viel besser meistert als ein bei den meisten "Enduros" in Mode gekommenes 17er-Rad. Dazu eine Sitzhöhe von 800 mm, die sich auch aus der großen Bodenfreiheit ergibt. Die Sitzbank ist recht hart und kantig, der Kniewinkel dafür sehr entspannt. Die F 800 S wird von einem Reihen-Zweier angetrieben. Der Parallel-Twin verfügt über ein kleines Ausgleichsgewicht, das bis 5000/min Vibrationen gut unterdrückt. Darüber läuft der 800er betont rauh. Bei etwa 2500/min wacht der Zweizylinder auf, ab 3200/min stehen immer über 90 Nm Drehmoment zur Verfügung. Ein Racer ist die F 800 nicht, eine R 1200 GS ist deutlich schneller und durchzugsstärker. Aber zum Motorradwandern und erst recht im Gelände benötigt man nicht soviel Kraft. Zwar benötigt der BMW R2 Superbenzin, was Fernreisende zweifeln lässt - denn die Spritqualität in Afrika und Ost-Asien ist oft sehr schlecht. Aber moderne Maschinen, die Euro 3 erfüllen, haben eine ausgefeilte Klopf-Sensorik, die die Kraftstoffqualität selbstständig überprüft und die Zündung entsprechend einstellt. Daher ist theoretisch auch ein Betrieb mit Normalbenzin möglich - verminderte Fahrleistungen und erhöhter Verbrauch inklusive. Im (leichten) Gelände schlug sich die F 800 GS erwartungsgemäß deutlich besser als eine vergleichsweise herangezogene R 1200 GS. Dafür ist die F 800 GS auf Asphalt nicht so handlich wie die GS. Schuld daran trägt das 21-Zoll-Vorderrad. Es wiegt mit 11,7 kg (Rad plus Reifen) 3 kg weniger als das 19-Zoll-Rad der GS, aber der größere Raddurchmesser bewirkt beim Drehen deutlich höhere Kreiselkräfte, die das Rad stabilisieren. Die Testmaschine war weit von dem Traumgewicht entfernt, das BMW für eine fahrfertige F 800 GS angibt (207 kg). Mit den Extras ABS (710 Euro), Heizgriffen (195 Euro), Bordcomputer (145 Euro) und Hauptständer (110 Euro) wog die Testmaschine vollgetankt 222 kg. Dazu kommen 12 kg für das beliebte Kofferset, bestehend aus Kofferträger und zwei Seitenkoffern. Eine BMW R 1200 GS ABS mit Seitenkoffern wog im Test 256 kg, also kann man bei der F 800 GS schon von einem Fortschritt sprechen. Mit montierten Koffern darf die F 800 GS ganze 209 kg (455 kg - 234 kg) zuladen - eine R 1200 GS dagegen nur 184 kg (452 kg - 256 kg). 42,4 m Bremsweg aus 100 km/h sind für BMW-Maßstäbe recht lang. Die Vergleichs-Boxer-GS benötigte nur 40 m. Der Grund liegt wohl in der Überschlagserkennung des ABS, das bei der F 800 GS den Bremsdruck stäkrer zurücknimmt als bei der R 1200 GS. Das Windschild der F 800 GS ist etwas kleiner als das der R 1200 GS, deswegen zieht es bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn mehr. Die offene Kette ist übrigens gewollt. Wer schon mal in der Wüste gefahren ist, weiß, dass es keine Kapselung gibt, durch die feiner Sand und Staub nicht doch hineinfindet. So muss man die Kette einfach nur anständig schmieren, dann sind Schmutz und Wasser egal. Und in Entwicklungsländern ist eine Ersatz-Kette immer aufzutreiben - ein Fachmann für Kardanwellen und -gelenke dagegen selten. Zusammengefasst: Die BMW F 800 GS ist keine Konkurrenz zur Leit-Kuh R 1200 GS, sondern eine Alternative, die sich besonders an Fernreisende richtet, die vorwiegend auf unbefestigten Wegen unterwegs sind. Und an diejenigen, die die kernigen Urgesteine R 80 GS und R 100 GS vermisst haben. Also, das Abenteuer kann beginnen. (Daten Stand 04/2008. Alle Angaben ohne Gewähr.) Link: bmw-motorrad.de |