| Motorart | R 4 Benziner |
| Hubraum | 1973 ccm |
| Aufladung | Turbo/G-Kat |
| PS - UMin | 240 PS (177 kW) - 6250/min |
| Nm - UMin | 294 Nm - 3750/min |
| Motorlage/Antrieb | Mittelmotor/Heck |
| Gänge/Schaltung | 5/manuell |
| Test in ams 11/1997 | |
| Gewicht | 1285 kg |
| 0 - 80 km/h | 3,8 s |
| 0 - 100 km/h | 5,3 s |
| 0 - 120 km/h | - s |
| 0 - 130 km/h | - s |
| 0 - 140 km/h | - s |
| 0 - 160 km/h | 13,0 s |
| 0 - 180 km/h | - s |
| 0 - 200 km/h | 21,2 s |
| 0 - 250 km/h | - s |
| 400 m, stehender Start | - s |
| 1 km, stehender Start | 25,4 s |
| Vmax | 263 km/h |
| 100 - 0 km/h (kalt) | 42,9 m |
| 100 - 0 km/h (warm) | 41,1 m |
| Nordschleife | - min |
| Hockenheim, kleiner Kurs | - min |
| Motopark Oschersleben | - min |
| max. Querbeschleunigung | - g |
| Slalom 18 m | - km/h |
| Slalom 36 m | - km/h |
| ISO Ausweichtest 110 m | - km/h |
| Testverbrauch min/max/ges | -/-/14,6 L/SP |
| Grundpreis | 94.750 DM (05/1997) |
| Testwagenpreis | - DM |
| Bemerkungen: Bereifung: 215/45 ZR 17 - 245/45 ZR 17 (Goodyear Eagle GS-A) Gepäckraum: -/- L. Zuladung (Testwagen): - kg. Anhängelast ungebremst/gebremst: -/- kg . Länge/Breite/Höhe 4191/1854/1118 mm, Radstand 2438 mm, Spur vorne/hinten -/- mm. Wendekreis links/rechts -/- m. Gewichtsverteilung vorne/hinten -/-. Reichweite der Gänge -/-/-/-/-/- km/h. Der Esprit GT3 ist so etwas wie ein tragischer Held. Er hatte alle Anlagen, ein faszinierendes Supercar im Stile eines Lamborghini Diablo im Westentaschenformat zu sein. Doch die Zeit solcher konsequenten Macho-Asketen war leider schon bei seiner Präsentation vorbei. Warum wurde der GT3 überhaupt gebaut? Der Esprit S4 mit 264 PS (als S4s sogar mit 305 PS) war für ein Vierzylindermodell zu teuer. Zwar war der 135.000 DM teure Sportwagen (als S4s 149.000 DM) genauso schnell wie ein Porsche 911, aber der große Verkaufserfolg blieb aus. Mit der Vorstellung des Esprit V8 wurde der Prestigemangel zwar ausgeglichen, aber mehr denn je zeigte sich, dass im Modellprogramm zwischen der 120 PS starken Elise und dem 354 PS starken Esprit V8 eine Riesenlücke klaffte. Lotus fehlte ein Supersport-Modell in der Preisklasse unterhalb von 100.000 DM. Die Elise konnte in ihrem damaligen Entwicklungsstand den Espritmotor nicht ohne aufwendige Umbauten vertragen. Das Geld dafür fehlte bei Lotus. Also entschloss man sich, eine asketische Sparversion des Esprit anzubieten. Offiziell war er ein Homologationsmodell für die GT3-Weltmeisterschaft, daher sein Name. Man entfernte nach guter, alter Leichtbauformel (was nicht ist, wiegt nicht) Lederausstattung, Klimaanlage und die Airbags. Dafür zogen zwei dünn gepolsterte Schalensitze ohne Lehnenverstellung ein. Letztlich sollten nach Werksangabe 1230 kg vollgetankt herauskommen, im Test kam er auf 1285 kg - immerhin 48 kg weniger als bei einem zuvor getesteten S4. Der Esprit war sowieso ein leichtes Auto. Seine Karosserie, die auf einem Kastenrahmen aus verzinktem Blech ruhte, bestand aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Beim Motor machte man einen, so wie ich meine, entscheidenen Fehler. Man entschied sich gegen den Einbau der S4/S4s-Maschine mit 2,2 Litern Hubraum. Mit 305 PS aus dem S4s-Motor wäre der GT3 genauso schnell wie der teurere V8 gewesen. Das durfte nicht sein. Also holte man den 1989 für den italienischen Markt vorgestellten Zweiliter aus der Vesenkung. In Italien werden Autos über 2 Liter Hubraum mit einer Luxussteuer belegt - deswegen bot Ferrari jahrzehntelang auch Zweiliter-Versionen seiner Dino- und 308-Modelle an. Die italienische S4-Version hatte 253,5 PS, in der GT3-Version blieben 240 davon Übrig. Der Vierzylinder musste seine Leistung aus Ladedruck und Drehzahl holen. Der große Lader brachte die Fuhre erst ab ca. 4000/min mächtig in Schwung, unter 2500/min lief fast nichts. Dazu klang der GT3 wie ein zorniger Hornissenschwarm. Das war aber nicht der Klang, den ein verwöhnter Supersportkunde erwartete. Dafür entschädigte der Lotus Esprit GT3 mit einem rennwagenähnlichen Fahrverhalten. Die Lenkung wurde mit 3 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag sehr direkt übersetzt, das Fahrverhalten wegen des niedrigen Schwerpunkts und der Leichtbauweise auch bei hohen Kurvengeschwindigkeiten neutral und handlich. ESP und Traktionskontrolle gab es allerdings nicht. Das heißt, bei Nässe und zackingen Fahrmanövern konnte auch mal das Heck herumkommen. Man musste also am Steuer eines Esprit GT3 noch nachdenken. Der Esprit GT3 hatte keine Differenzialsperre, das machte seine Lastwechselreaktionen in Kurven berechenbarer. Zudem drehte das kurveninnere Rad beim harten Gasgeben in engen Kurven schnell durch, so dass ein heftiges Übersteuern verhindert wurde. Die Federung des Esprit konnte relativ weich abgestimmt werden, weil der Wagen so leicht war. Ein anderer, von Lotus so nicht vorhergesehener Umstand machte schließlich dem GT3 den Garaus - die Kunden. Sie statteten den GT3 nachträglich wieder mit all den Extras aus, die er serienmäßig nicht hatte. Mit Klimaanlage, Airbags, Vollleder und elektrischem Hubdach wog er wieder fast soviel wie ein V8. Dann trat das Turboloch beim Anfahren noch viel stärker als ohnehin schon zum Vorschein. Mit Vollausstattung schaffte der GT3 gerade so die Sechs-Sekunden-Marke auf 100 km/h. Ausgerechnet der GT3 zementierte bei vielen Kunden damit den Ruf, der Esprit sei ein unausgewogener, hüftlahmer Sportwagen. Zudem hatte schon Ende der 90er Jahre fast niemand mehr Lust, für den Sport zu leiden. Der flache Esprit bereitete Mühe beim Einsteigen, die flache Frontscheibe sorgte für eine starke Aufheizung des Innenraums bei Sonnenschein, man konnte keine zwei Golfbags einladen (in den USA ein Todesurteil) und der Motor klang für verwöhnte Ohren wie ein überdrehter Küchenmixer. Zu guter Letzt präsentierte BMW ausgerechnet im gleichen Jahr den Z3 M Roadster: 321 PS-Sechszylinder in einem Cabrio. Ganz zu schweigen vom Debut der neuen Corvette C5 mit 344 PS-V8. Beides Autos in der Preisklasse des Esprit GT3, die offenbar mehr Power bei gleichzeitigem Komfort boten. Heutzutage (11/2006) gibt es anscheinend wieder mehr Interessenten für konsequente Sportflundern. Das GT3-Konzept würde heute wohl mehr Käufer finden als damals - er hätte es damals schon schaffen können, wenn er die 305 PS-Maschine des S4s spendiert bekommen hätte. Wenn schon, denn schon. (Stand Daten: 05/1997, Kommentar 11/2006. Alle Angaben ohne Gewähr) Link: lotuscars.co.uk |