Das einszweidrei Auto-Quartett

Lancia Stratos - 1975 (Serie)





Motorart V 6
Hubraum 2416 ccm
Aufladung Sauger
PS - UMin 190 PS (140 kW) - 7000/Min
Nm - UMin 226 Nm - 4000/Min
Motorlage/Antrieb Mittelmotor/Heck
Gänge/Schaltung 5/manuell
Test in ams 19/1975
Gewicht (980) kg
0 - 80 km/h - s
0 - 100 km/h 6,8 s
0 - 120 km/h - s
0 - 130 km/h - s
0 - 140 km/h - s
0 - 160 km/h - s
0 - 180 km/h - s
0 - 200 km/h - s
0 - 250 km/h - s
400 m, stehender Start - s
1 km, stehender Start - s
Vmax 236,8 km/h
100 - 0 km/h (kalt) - m
100 - 0 km/h (warm) - m
Nordschleife - min
Hockenheim, kleiner Kurs - min
Motopark Oschersleben - min
Querbeschleunigung - g
Slalom 18 m - km/h
Slalom 36 m - km/h
ISO Ausweichtest - km/h
Testverbrauch min/max/ges -/-/14,8 L/S
Grundpreis 45.000 DM (1975)
Testwagenpreis - DM

Bemerkungen:
Bereifung: -

Gepäckraum nach ams: -/- L. Zuladung (Testwagen): - kg. Anhängelast ungebremst/gebremst: -/- kg .

cw-Wert -. Länge/Breite/Höhe ca. 3700/-/1100 mm, Radstand ca. 2020 mm, Spur vorne/hinten ca. 1700/1700 mm. Wendekreis links/rechts -/- m. Gewichtsverteilung vorne/hinten -/-. Reichweite der Gänge -/-/-/-/- km/h.

Pro: -

Kontra: -

Der Stratos war von Lancia als Rallyeauto konzipiert worden. Bis Anfang der 70er Jahre wurden fast serienmäßig belassene Autos für Rallyes benutzt. Auch der Mini Cooper wurde für Rallyeeinsätze nur geringfügig modifiziert. Lancia konstruierte nun ein Auto, das von Anfang an die Rallye-WM jahrelang dominieren sollte (er wurde ab Ende 1974 eingesetzt). Noch 1979 gewann ein privat gemeldeter, halbtoter Stratos die Rallye Monte Carlo.

Die Karosserie stammte von Bertone. Ursprünglich war der Stratos nur ein Schauobjekt von Bertone für den Turiner Salon 1971, das nur ''zufällig'' die Technik aus der Lancia Fulvia und einen Motor vom Dino 246 GT hatte (die kleinen nicht-V12-Ferrari bekamen damals den Namen Dino, dem verstorbenen Sohn von Enzo Ferrari, der die ersten V6-Motoren konstruiert hatte). Der Stratos gilt übrigens als Designvorbild für den von Marcello Gandini entworfenen Lamborghini Countach.

Fiat hatte 1969 Lancia übernommen und schon damals gute Kontakte zu Ferrari, deswegen wurde 1971 die Produktion des Stratos beschlossen und Ende 1973 gestartet.

Die Karosserie bestand aus glasfaserverstärktem Kunststoff, der über einem dünnen Rohrrahmengeflecht gespannt wurde. Die Front und das Heck konnten zwecks besserer Wartungsfreundlichkeit als Ganzes hochgeklappt werden. Der Wagen hatte große Radausschnitte, damit man sehr breite Reifen montieren konnte. Das Auto war sehr flach (guter Luftwiderstand, niedriger Schwerpunkt) und hatte einen sehr kurzen Radstand (ausgezeichnete Handlichkeit).

Der Ferrari-Motor war direkt aus den legendären Lancia-Renntriebwerken der 50er Jahre abgeleitet worden und besaß zwei obenliegende Nockenwellen (dohc). Im Renneinsatz kamen auch Vierventil-Zylinderköpfe zum Einsatz. Der V6 zog von unten gut durch und bekam bei 4000/min einen zweiten Wind, um dann mühelos bis 7000/min zu drehen. Der Lärm der Maschine war für heutige Verhältnisse infernalisch.

Das Fahrwerk hatte hinten nur einfache Querlenker und verfügte über relativ große Federwege. Das erhöhte die Rallyetauglichkeit. Schließlich sollte das Auto vorrangig auf schlechten Pisten unterwegs sein. Fünf Gänge, Sperrdifferential, große innenbelüftete Scheibenbremsen, und ein verstellbares Fahrwerk (Stabis) zeugten von der Renntauglichkeit des Stratos. Das Fahrverhalten war ultra-handlich, im sehr hoch angesiedelten Grenzbereich konnte der Stratos aber zickig werden.

Der Einstieg in das Auto gestaltete sich schwierig. Erst musste der breite Schweller überwunden werden. Menschen über 1,80 m Körpergröße mussten in Froschhaltung sitzen. Die Pedale waren zur Mitte hin versetzt und standen sehr eng beieinander. Die Seitenscheiben waren zwei Schießscharten. Sie ließen sich nur eine Handbreit öffnen, dafür war aber auch nur eine Kurbelumdrehung notwendig. Nach hinten konnte man gar nichts sehen. Dafür bot der Stratos als wohl einziges Straßenauto eine Helmablage in der linken Türtasche. Einen Bremskraftverstärker gab es nicht, Kupplung und Gas waren auch schwergängig. Die Lenkung allerdings funktionierte leicht und zielgenau. Man konnte mit dem Stratos auf kurvigen Landstraßen schneller unterwegs sein als mit jedem anderen Serienauto.

Ein Verkaufserfolg war der Stratos leider nicht. Laut Lancia wurden von 1973 bis 1975 492 Autos gebaut, Bertone nennt 502 Exemplare. Noch Anfang der 80er Jahre wurden neue Stratos zum Schleuderpreis angeboten. Heute (07/2005) kosten gut erhaltene Stratos um die 200.000 Euro.

Vor dem Hintergrund der Profitabilität ist es verständlich, dass sich Lancia heutzutage auf den Standpunkt stellt, dass es Sportwagen wie den Stratos, Beta, Rally oder den Integrale ''nie wieder'' geben soll. Die wunderschöne Studie der neuen Fulvia wurde Anfang 2004 gekippt. Lancia konzentriert sich lieber auf überstylte Frauenautos wie den Ypsilon. Als ob Frauen nicht auf Macho-Sportwagen abfahren würden...

Verständlich ist deswegen auch, dass ich nicht einmal im Traum daran denken würde, mir irgendwann einen Lancia zuzulegen --- es sei denn einen Stratos, Beta, Rally oder einen Integrale. Mal schauen, wie lange Lancia mit seiner Spießer-Strategie durchhält...

(Stand: 1975).

Link: lancia.it